Triumphaler Wahlerfolg für Sarkozy
06. Mai 2007 20:05, ergänzt 21:23
 |  Nicolas Sarkozy | Foto: dpa |
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Der Sieger der französischen Präsidentschaftswahl steht bereits nach den ersten Hochrechnungen fest: Mit 53 Prozent der Stimmen hat Sarkozy seine Konkurrentin Royal deutlich hinter sich gelassen.
Nicolas Sarkozy wird nächster Präsident Frankreichs. Der frühere konservative Innenminister setzte sich bei der Stichwahl gegen die Sozialistin Ségolène Royal klar mit rund 53 Prozent der Stimmen durch. Seine Konkurrentin kam auf knapp 47 Prozent, wie stabilisierte Hochrechnungen ergaben, die vom französischen Fernsehen veröffentlicht wurden.
Royal gestand umgehend ihre Niederlage ein. Sie wünschte dem Sieger, seine «Mission im Dienste aller Franzosen» zu erfüllen. Die Sozialistin forderte ihre Anhänger auf, ihren Enthusiasmus der vergangenen Monate weiterhin für die gemeinsamen Ziele einzusetzen.Sarkozy übernimmt das Amt am 16. Mai feierlich von Präsident Jacques Chirac, wie sein Berater François Fillon mitteilte. Der Wahlsieger rief alle Franzosen auf, ihn bei der Reform des französischen Staates zu unterstützen. «Das französische Volk hat den Wandel beschlossen», sagte er bei seiner ersten Ansprache nach der Wahl.
 |  Ségolène Royal bis zuletzt kämpferisch | Foto: dpa |
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«Ich werde den Franzosen den Stolz auf Frankreich wiedergeben.» Er habe aber auch Achtung für seine unterlegene Rivalin «Ségolène Royal und ihre Ideen», sagte Sarkozy. Royal achten heiße, Millionen Franzosen achten, die für sie gewählt hätten. Sarkozy gab ein «tiefes und ernsthaftes» Bekenntnis zum «Aufbau Europas» ab. «Mein ganzes Leben war ich Europäer.» Er rief die EU- Partner auf, sich nicht «taub gegen die Wut der Völker» zu stellen, sondern «die Stimme der Völker» zu hören. Als «großen Traum» nannte er die friedliche Einigung des Mittelmeerraumes nach dem Vorbild Europas.
Positive Signale an Washington
Eine doppelte Botschaft sandte Sarkozy nach Washington. «Die USA können auf unsere Freundschaft rechnen», sagte er unter dem Beifall seiner Anhänger. Frankreich werde «immer an der Seite» Amerikas stehen. Er erinnerte Washington aber auch an seine «Pflicht», sich an die Spitze des Kampfes gegen den Klimawandel zu setzen. Frankreich werde das zu seiner Hauptaufgabe machen.Es war das beste Ergebnis für einen bürgerlichen Kandidaten gegen einen linken Konkurrenten seit 1969. Damit bleibt das höchste Staatsamt nach dem Ende der zwölfjährigen Ära Chirac weiter in Hand der Konservativen. Der 52 Jahre alte Vorsitzende der Regierungspartei UMP hatte den Wahlkampf mit einem dezidiert rechtsgerichteten Programm bestritten, das Steuersenkungen, Einschnitte in Sozialleistungen, eine Lockerung der 35-Stunden-Woche und eine Verschärfung des Einwanderungsrechts vorsieht. Die Wahlbeteiligung war mit rund 85 Prozent ungewöhnlich hoch.
Fillon als nächster Premier gehandelt
Sarkozy hatte bereits den ersten Wahlgang vor zwei Wochen mit 31,2 Prozent vor Royal (25,9 Prozent) und weiteren zehn Kandidaten klar gewonnen. Der amtierende Staatschef Chirac verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Sein designierter Nachfolger wird aller Wahrscheinlichkeit nach am 16. Mai ins Amt eingeführt und dürfte umgehend eine neue Regierung ernennen. Als Favorit für das Amt des Premierministers gilt Fillon, der früher Sozialminister war. Noch im Juni wird dann in Frankreich ein neues Parlament gewählt, wobei Sarkozy erneut mit einem klaren Sieg rechnen kann. Bislang gewann in der Fünften Republik das bei der Präsidentschaftswahl siegreiche politische Lager immer auch die anschließende Parlamentswahl.
Jubelfeier auf der Place de la Concorde
Als Siegesfeier organisierten Sarkozys Wahlhelfer ein «großes Volksfest» auf dem Pariser Concorde-Platz. Altrocker Johnny Hallyday und der Sänger Enrico Macias mit seinem arabisch-andalusischen Orchester sollten für Stimmung sorgen. Die für den Feiertag des 8. Mai mit Nationalflaggen geschmückten Champs-Élysées wurden bis in die Nacht für Siegesfeiern freigegeben. Die Polizei mobilisierte tausende Beamte, um Ausschreitungen von Randalierern zu verhindern.
Krawalle in der Banlieue befürchtet
Die Polizei stellte sich auf mögliche Unruhen in der Wahlnacht ein, vor allem in den Pariser Vorstädten. Dort könnten sich viele Jugendliche von einem Sieg Sarkozys provoziert fühlen. Der damalige Innenminister hatte 2005 bei einem Besuch in La Courneuve gesagt, er wolle das Viertel mit einem Kärcher reinigen. Später bezeichnete er jugendliche Straftäter als «Gesindel und Taugenichtse». Royal hatte mit Blick auf die Unruhen in den Vorstädten gewarnt, ein Sieg Sarkozys werde «Gewalttätigkeiten und Brutalitäten» entflammen.
Im Département Seine-Saint-Denis, wo 2005 wochenlange Unruhen begannen, verhängte die Polizei eine Urlaubssperre. Die Zeitung «Le Parisien» berichtete, in Paris und den angrenzenden Vorstädten seien 3000 Polizisten mobilisiert. Dies sei aber nicht ungewöhnlich und entspreche etwa den Vorkehrungen für die Silvesternacht. (dpa/AP)