netzeitung.deAmnesty erfreut über Rückgang bei Hinrichtungen

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Protest gegen Hinrichtungen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Protest gegen Hinrichtungen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Menschenrechtler sehen einen Erfolg im Kampf gegen die Todesstrafe. Weltweit ist die Zahl der Exekutionen im vergangenen Jahr zurückgegangen - einige Staaten töten allerdings in gewohnter Zahl.

Die Zahl der registrierten Hinrichtungen ist laut der Jahresstatistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International 2006 weltweit auf 1591 gesunken. Im Jahr zuvor waren noch 2148 Vollstreckungen der Todesstrafe gemeldet worden. Die Dunkelziffer dürfte nach Angaben der Organisation allerdings weit höher liegen.

«Eine Welt ohne Todesstrafe ist möglich, wenn diejenigen Regierungen, die eine Vorreiterrolle spielen, den Weg weisen», erklärte Generalsekretärin Irene Khan bei der Vorstellung des Berichts am Freitag in Rom. Sie rief zu einem weltweiten Moratorium für Hinrichtungen auf.

Nur sechs Staaten waren laut dem Bericht für mehr als 90 Prozent aller Hinrichtungen 2006 verantwortlich: China, Pakistan, der Iran, der Irak, der Sudan und die USA.

«Dieser harte Kern der Hinrichtungsstaaten ist isoliert und handelt völlig gegen den globalen Trend», sagte Khan. Vor 30 Jahren war die Todesstrafe lediglich in 16 Staaten abgeschafft. Inzwischen gebe es eine weltweite Dynamik für ihre Eliminierung, erklärt Amnesty.

Allein seit 1990 haben sich laut der Organisation rund 45 Länder angeschlossen. Mittlerweile hätten 88 Länder oder Territorien die Todesstrafe komplett gestrichen, in elf werde sie nur noch für Kriegsverbrechen oder ähnliche Delikte verhängt.

In 29 weiteren Ländern könne man von einer faktischen Abschaffung sprechen: Zwar existiere die Kapitalstrafe dort noch, sei aber seit mindestens zehn Jahren nicht angewendet worden. Bei den 2006 von Amnesty erfassten 1591 Hinrichtungen handelte es sich dem Bericht zufolge um Fälle aus 25 Ländern.

Höhere Dunkelziffer vermutet
«Die wahren Zahlen sind sicherlich höher», betont die Organisation. China sei nach wie vor das Land, in dem die Todesstrafe am häufigsten vollstreckt werde. Dort wurden im vergangenen Jahr mehr als 1000 Exekutionen registriert. Die offiziellen Zahlen werden nicht bekannt gegeben, Amnesty geht von bis zu 8000 Hinrichtungen aus.

Im Iran habe sich die Zahl der Exekutionen mit 177 im Vergleich zu 2005 nahezu verdoppelt, führt der Bericht aus. Im Irak habe sich die Aufmerksamkeit auf die Hinrichtung des ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein im Dezember konzentriert - dabei sei untergegangen, dass die Vollstreckung von Todesurteilen im Lauf des Jahres insgesamt dramatisch zugenommen habe. Mindestens 65 Menschen seien gehängt worden.

Aus Pakistan wurden mindestens 82 Hinrichtungen gemeldet, aus dem Sudan 65. In zwölf US-Staaten wurde die Todesstrafe an 53 Verurteilten vollstreckt. Todesurteile wurden gegen 3.861 Menschen in 55 Ländern verhängt. Wie viele Verurteilte weltweit in Todeszellen warten, ist nach Angaben von Amnesty schwierig zu beurteilen. Ihre Zahl Ende 2006 wurde auf zwischen rund 19.100 und 24.600 geschätzt. (AP)