Hochrechnungen sehen Royal und Sarkozy vorn
22. Apr 2007 20:06, ergänzt 21:08
 |  Die Kontrahenten Royal und Sarkozy an der Wahlurne | Foto: dpa |
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Der französische Konservative Sarkozy und die Sozialistin Royal haben laut offiziellen Hochrechnungen die Stichwahl um das Präsidentenamt erreicht. Mit rund 30 Prozent der Stimmen gilt der frühere Innenminister nun als Favorit.
Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben sich der konservative Ex-Innenminister Nicolas Sarkozy und die Sozialistin Ségolène Royal mit deutlicher Mehrheit für die Stichwahl in zwei Wochen qualifiziert.
Nach offiziellen Hochrechnungen mehrerer Institute vom Sonntagabend errang Sarkozy etwa 30 Prozent der Stimmen. Royal kam demnach auf rund 26 Prozent. Die 53-jährige ehemalige Familienministerin ist damit die erste Frau, die den Sprung in die zweite Runde einer Präsidentschaftswahl geschafft hat und am 6. Mai den Élysée-Palast erobern könnte. Wegen seines deutlichen Erstrundensieges geht UMP-Chef Sarkozy als Favorit in das Duell um die Nachfolge Jacques Chiracs. Den Angaben nach erreichte er das beste Ergebnis für einen Bewerber der bürgerlichen Rechten seit 1974. Damals holte Giscard d'Estaing in der ersten Runde 32,6 Prozent und gewann die anschließende Stichwahl klar gegen François Mitterrand. Chirac hatte bei seiner Wiederwahl 2002 im ersten Wahlgang lediglich 19,9 Prozent der Stimmen bekommen.
Bayrou und Le Pen weit abgeschlagen
Klar abgeschlagen auf Platz drei landete Zentrumskandidat François Bayrou, der laut den Prognosen bei rund 18 Prozent liegt. Entscheidend dürfte nun sein, wem Bayrous Wähler in zwei Wochen ihre Stimmen geben.Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen, der vor fünf Jahren noch sensationell die Stichwahl gegen Chirac erreicht hatte, kam mit für ihn enttäuschenden elf Prozent auf Platz vier. Das ist sein schlechtestes Ergebnis seit seiner ersten Kandidatur 1974. Sarkozy ist es offensichtlich gelungen, viele Wähler Le Pens auf seine Seite zu bringen.
Sarkozy wirbt für «brüderliche Republik»
Nach Bekanntgabe der Hochrechnungen wandte sich Sarkozy mit einem Appell an die Wähler. Er wolle alle Franzosen um seinen «Traum einer brüderlichen Republik» herum sammeln, in der jeder seinen Platz habe, sagte er. Seiner Konkurrentin Royal zollte der Konservative Respekt. Das Duell um den Einzug in den Elysée-Palast müsse mit Würde ausgetragen werden, sagte Sarkozy vor jubelnden Anhängern in Paris. Den sozial Schwachen im Land versprach er Schutz vor Kriminalität und sozialer Ausgrenzung. Frankreich müsse wie eine Familie sein, die sie schütze.
Keiner der anderen acht Kandidaten für die Nachfolge Chiracs, der nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr antrat, erzielte ein zweistelliges Ergebnis. Am besten schnitt noch der Trotzkist Olivier Besancenot mit knapp fünf Prozent ab. Die Wahlbeteiligung lag zwischen 84 und 87 Prozent und könnte damit ein Rekordniveau für die Fünfte Republik erreicht haben.
Vorläufiges Endergebnis am Montagmorgen
Die Wahlbeteiligung war mit etwa 85,5 Prozent sehr hoch. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird erst für Montagmorgen erwartet. Insgesamt ließen sich 44,5 Millionen Franzosen auf den Wahllisten registrieren, acht Prozent mehr als 2002. Vor fünf Jahren lag die Beteiligung in der ersten Runde bei nur gut 71 Prozent, ein Grund für das starke Abschneiden Le Pens. Obwohl fast alle Umfragen ein Duell Sarkozy-Royal voraussagten, war die Spannung in Frankreich groß, da viele Wähler mit ihrer Entscheidung bis zuletzt gewartet hatten. Sarkozy, der mit seiner polarisierenden Persönlichkeit viele Franzosen besorgt, will das Land mit einer Lockerung der 35-Stunden-Woche und sozialen Einschnitten fitter für die Globalisierung machen. In der Ausländerpolitik steht er für die Einrichtung eines Ministeriums für Einwanderung und nationale Identität.
Die Sozialistin Royal versprach den Wählern die Bewahrung des Sozialsystems und warnte, Sarkozy wolle mit seinem liberalen Programm das «Gesetz des Stärkeren» einführen. (dpa/AP)