Französischer Wahlkampf endet mit scharfen Attacken
20.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auch in vorangegangenen Wahlkämpfen seien die Kandidaten in extreme Ecken gedrängt worden, sagte Sarkozy der Zeitung «Le Parisien». «All diejenigen, die jetzt Derartiges über mich sagen wollen, sind in gewisser Weise Faschisten.» Faschismus heiße, die Menschen zu karikieren, ohne ihnen richtig zuzuhören, zitierte ihn die Zeitung am Freitag. Wegen der Angriffe seiner Gegner habe er «überall Narben».
Auf seiner letzten Wahlkampfveranstaltung hatte der UMP-Chef am Donnerstagabend vor 12.000 Anhängern in Marseille für eine Rückkehr zu den «Werten und Traditionen der Republik» geworben. In Anspielung auf den US-Bürgerrechtler Martin Luther King gab er sich als Versöhner und Mutmacher: «Ich will der Präsident sein, der einen neuen französischen Traum verwirklicht. Ein Traum, in dem die Zukunft nicht eine Bedrohung, sondern eine Verheißung ist.»
Royal holte vor knapp 15.000 Mitgliedern der sozialistischen Partei in Toulouse zum Angriff gegen Sarkozy aus. Mit seinem liberalen Präsidentschaftsprojekt wolle er das «Gesetz des Stärkeren» einführen und werde das Land «brutalisieren». «Sein Projekt besteht nur aus ihm selbst, mein Projekt seid Ihr», rief sie.
«Ich bin der einzige, der in der Stichwahl gegen den Hyperfavoriten Sarkozy gewinnen kann», sagte er vor rund 5000 Anhängern. Anders als dieser stehe er für eine «Revolution ohne Risiko», weil er ein ausgeglichener und gemäßigter Präsident wäre, der «Frankreich mehr liebt als die Macht».
Die letzten Umfragen ergeben ein uneinheitliches Bild. «Wegen der hohen Zahl der Unentschlossenen sind zwei oder drei Überraschungen am Sonntag gut möglich», sagte Frederic Daby vom Meinungsforschungsinstitut IFOP.
Eine von «Le Figaro» veröffentlichte Umfrage des Institutes TNS-Sofres sieht Sarkozy mit 28 Prozent deutlich vor Royal mit 24 Prozent, Bayrou verkleinerte seinen Rückstand auf die Sozialistin auf 4,5 Punkte.
Ebenso weit gehen die Prognosen für die Stichwahl am 6. Mai auseinander. Den CSA-Forschern zufolge liegen Royal und Sarkozy beide bei 50 Prozent, bei TNS-Sofres hat der Ex-Innenminister einen Vorsprung von sechs Punkten. Für den Fall eines Duells Sarkozy/Bayrou müsste sich der UMP-Chef dem Zentrumskandidaten deutlich mit 54 zu 46 Prozent geschlagen geben. (AP)

