Die Außenseiter bei der Wahl in Frankreich
21. Apr 2007 13:13
 |  Der 'rote' Briefträger Olivier Besancenot | Foto: dpa |
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Ein radikaler Bauernführer, ein trotzkistischer Briefträger und ein nationalistischer Adeliger: Das Spektrum der Kandidaten bei der Wahl in Frankreich ist bunt. Die meisten haben keine Chance.
Die französische Präsidentschaftswahl ist auch ein Schaulaufen der Außenseiter. Ein Gesetz garantiert allen zwölf Kandidaten die gleiche Präsenz in den öffentlich-rechtlichen Medien.
In den allabendlichen Nachrichten werben seit zwei Wochen neben den Favoriten auch jede Menge Politiker für ihr Anliegen, die nicht die geringste Aussicht auf ein Ergebnis jenseits von fünf Prozent haben - unter ihnen ein militanter Bauernführer, ein trotzkistischer Briefträger und ein nationalistischer Adliger. Als letztem war es dem Globalisierungsgegner José Bové gelungen, die notwendigen 500 Empfehlungen von Mandatsträgern zusammen zu bekommen, um für die Wahl zugelassen zu werden. Der schnurrbärtige Schafzüchter empfiehlt sich als «Waffe für diejenigen, die mit dem liberalen System brechen wollen». Weil er ein Feld mit genmanipuliertem Mais verwüstet hat, muss der 53-Jährige nach dem Wahlkampf ins Gefängnis.
Weniger militant aber nicht minder revolutionär ist Olivier Besancenot. Obwohl erst 32 Jahre alt, schickt die Revolutionäre Kommunistische Liga (LCR) den Postboten schon zum zweiten Mal ins Rennen. Ein zentrales Wahlversprechen des eloquenten Trotzkisten: Die Abschaffung des Präsidentenamtes.
Auch die ehemalige Sportministerin Marie-George Buffet zählt zu den «Antiliberalen». Die 57-Jährige machte sich in der Regierung Jospin durch ihren Kampf gegen Doping einen Namen, konnte aber den Sturz ihrer Kommunistischen Partei (PCF) in die Bedeutungslosigkeit nicht stoppen.
Äußeres linkes Spektrum zersplittert
Um Aufmerksamkeit muss nicht zuletzt der selbst ernannte «Kandidat der Bürgermeister» Gérard Schivardi schwer kämpfen, der sich per Gerichtsbeschluss nur noch «Kandidat für die Bürgermeister» nennen darf. Er versucht es vor allem durch eine fundamentale EU-Kritik. Der parteilose Maurer und Bürgermeister wird von der trotzkistischen Arbeiterpartei (PT) unterstützt. Die «Mutter unter den Kandidaten» ist die unverwüstliche Arlette Laguiller. Die Chefin der trotzkistischen Partei Lutte Ouvrière (Arbeiterkampf) trat 1974 als erste Frau bei einer Präsidentschaftswahl an, in diesem Jahr ist sie zum sechsten und letzten Mal im Rennen, ein Rekord. 2002 erhielt die 67-Jährige Rentnerin, die in einer Sozialwohnung lebt, fast sechs Prozent der Stimmen. Sie will Entlassungen verbieten und alle Löhne um mindestens 300 Euro anheben.
Die Vertreter der zersplitterten Linken links der PS könnten am 22. April zusammen kaum mehr als zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es mehr als 19 Prozent. Die Antiliberalen nahmen damals dem sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin zu viele Stimmen weg, so dass der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Jacques Chirac einzog.
Außenseiter ohne Unterstützung der Sozialisten
Le Pen kämpft in diesem Jahr zum fünften Mal um den Einzug in den Élysée-Palast. Er könne sich trotz seiner 78 Jahre auch eine weitere Kandidatur in fünf Jahren vorstellen, sagt der Chef der Nationalen Front (FN). Sein Thema ist seit 50 Jahren der Kampf gegen Einwanderung, die er für die Probleme Frankreichs verantwortlich macht. Auf ihn wartet nach der Wahl ein weiterer Prozess wegen Verharmlosung der Nazi-Verbrechen, in Umfragen liegt er bei rund 14 Prozent. Sein größter Widersacher ist der Adlige Philippe de Villiers von der nationalpatriotischen MPF. Als einstiges Mitglied der Zentrumspartei UDF hat sich der siebenfache Vater weit nach rechts gewandt. Der 57-Jährige ist lange nicht so aggressiv wie Le Pen, die Botschaft ist indes ähnlich: Er warnt vor einer Islamisierung Frankreichs, vor Parallelgesellschaften und kämpft gegen die Europäische Union.
Thema Umwelt spielt kaum eine Rolle
Das Thema Umwelt ist im Wahlkampf in den Hintergrund gerückt. Zwar haben sich alle etablierten Kandidaten den Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahnen geschrieben, einen Streit über konkrete Maßnahmen und Ziele gibt es aber nicht. Dies spiegelt sich auch in der weitgehenden Bedeutungslosigkeit der Grünen wieder: Ihre Kandidatin Dominique Voynet, als frühere Umweltministerin keine Unbekannte, kann kaum auf zwei Prozent hoffen. Die Umwelt ist auch das Thema von Frédéric Nihous von der Partei für Jagd, Fischfang, Natur und Tradition (CPNT). Der 39-Jährige setzt sich für den Schutz des ländlichen Raums ein. Er selbst ist seit dem Alter von 16 Jahren ein begeisterter Jäger, erfährt man auf seiner Homepage. Am liebsten stelle er mit seinem Bretonischen Spaniel «Ucha» Federwild nach.
Wer sich von keinem der Exoten angesprochen fühlt, kann seine Stimme am Sonntag einem der drei Favoriten geben. PS-Kandidaten Ségolène Royal liefert sich laut Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem rechtskonservativen Ex-Innenminister Nicolas Sarkozy (UMP), dahinter liegt der Zentrumspolitiker François Bayrou (UDF). Die Stichwahl findet am 6. Mai statt. (Tobias Schmidt, AP)