Die Außenseiter bei der Wahl in Frankreich
21.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Als letztem war es dem Globalisierungsgegner José Bové gelungen, die notwendigen 500 Empfehlungen von Mandatsträgern zusammen zu bekommen, um für die Wahl zugelassen zu werden. Der schnurrbärtige Schafzüchter empfiehlt sich als «Waffe für diejenigen, die mit dem liberalen System brechen wollen». Weil er ein Feld mit genmanipuliertem Mais verwüstet hat, muss der 53-Jährige nach dem Wahlkampf ins Gefängnis.
Weniger militant aber nicht minder revolutionär ist Olivier Besancenot. Obwohl erst 32 Jahre alt, schickt die Revolutionäre Kommunistische Liga (LCR) den Postboten schon zum zweiten Mal ins Rennen. Ein zentrales Wahlversprechen des eloquenten Trotzkisten: Die Abschaffung des Präsidentenamtes.
Auch die ehemalige Sportministerin Marie-George Buffet zählt zu den «Antiliberalen». Die 57-Jährige machte sich in der Regierung Jospin durch ihren Kampf gegen Doping einen Namen, konnte aber den Sturz ihrer Kommunistischen Partei (PCF) in die Bedeutungslosigkeit nicht stoppen.
Die «Mutter unter den Kandidaten» ist die unverwüstliche Arlette Laguiller. Die Chefin der trotzkistischen Partei Lutte Ouvrière (Arbeiterkampf) trat 1974 als erste Frau bei einer Präsidentschaftswahl an, in diesem Jahr ist sie zum sechsten und letzten Mal im Rennen, ein Rekord. 2002 erhielt die 67-Jährige Rentnerin, die in einer Sozialwohnung lebt, fast sechs Prozent der Stimmen. Sie will Entlassungen verbieten und alle Löhne um mindestens 300 Euro anheben.
Die Vertreter der zersplitterten Linken links der PS könnten am 22. April zusammen kaum mehr als zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es mehr als 19 Prozent. Die Antiliberalen nahmen damals dem sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin zu viele Stimmen weg, so dass der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Jacques Chirac einzog.
Sein größter Widersacher ist der Adlige Philippe de Villiers von der nationalpatriotischen MPF. Als einstiges Mitglied der Zentrumspartei UDF hat sich der siebenfache Vater weit nach rechts gewandt. Der 57-Jährige ist lange nicht so aggressiv wie Le Pen, die Botschaft ist indes ähnlich: Er warnt vor einer Islamisierung Frankreichs, vor Parallelgesellschaften und kämpft gegen die Europäische Union.
Die Umwelt ist auch das Thema von Frédéric Nihous von der Partei für Jagd, Fischfang, Natur und Tradition (CPNT). Der 39-Jährige setzt sich für den Schutz des ländlichen Raums ein. Er selbst ist seit dem Alter von 16 Jahren ein begeisterter Jäger, erfährt man auf seiner Homepage. Am liebsten stelle er mit seinem Bretonischen Spaniel «Ucha» Federwild nach.
Wer sich von keinem der Exoten angesprochen fühlt, kann seine Stimme am Sonntag einem der drei Favoriten geben. PS-Kandidaten Ségolène Royal liefert sich laut Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem rechtskonservativen Ex-Innenminister Nicolas Sarkozy (UMP), dahinter liegt der Zentrumspolitiker François Bayrou (UDF). Die Stichwahl findet am 6. Mai statt. (Tobias Schmidt, AP)

