19. Apr 2007 12:09
Die Franzosen brauchen einen «politisch kastrierten» Präsidenten, meint Peter Sloterdijk. Der Philosoph warnt zudem vor Sarkozy: Der Konservative sei genauso ehrgeizig wie Kanzler Schröder.
Den konservativen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy nennt der in Frankreich bekannte und mit dem Land vertraute Philosoph einen «französischen Zwilling» von Altkanzler Gerhard Schröder. Dieser habe «puren Ehrgeiz» verkörpert. So wie Deutschland das «Spielzeug» seines politischen Chefs gewesen sei, könnte es Frankreich mit Sarkozy gehen.«Frankreich braucht keinen starken Präsidenten mehr», sagte Sloterdijk in dem Interview. «Es braucht einen leistungsfähigen Premierminister, und an der Spitze des Staates - wie in allen zivilisierten Ländern - einen lächelnden, würdevollen und politisch kastrierten Präsidenten.» Diese Kastration sei die eigentliche Voraussetzung für eine Rückkehr der französischen Demokratie, die derzeit zutiefst neurotisch sei, «in den Kreis der zuverlässigen und berechenbaren europäischen Länder».