18. Apr 2007 09:04, ergänzt 09:47
Wurden Warnsignale und auffälliges Verhalten des Amokschützen von Blacksburg nicht ernst genug genommen? Eine Untersuchung soll das Vorgehen der Uni-Leitung überprüfen.
Als Täter hat die Polizei den 23 Jahre alten Englisch-Studenten Cho Seung-Hi aus Südkorea identifiziert, der nach Angaben von Mitstudenten Gewalt verherrlichende Computerspiele liebte. Unklar ist jedoch, ob der als verwirrter und verschlossener Einzelgänger beschriebene Todesschütze einen Abschiedsbrief hinterlassen hat. Polizeisprecher Steve Flaherty sagte, dass es keine Beweise gebe, die annähmen ließen, dass der Täter irgendeine Art von Abschiedsbrief hinterlassen habe. Nach Angaben der Polizei gibt es keinen Hinweis auf einen möglichen Mittäter.
Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass im Wohnheimzimmer des Täters eine mit Schimpfwörtern gespickte Nachricht gefunden worden sei. Darin habe der 23-jährige Student, der seit 15 Jahren in den USA lebte, eine Reihe von Beschwerden aufgelistet. Wie die «Chicago Tribune» weiter berichtete, beklagte sich der Todesschütze in dem Schreiben über «rich kids» (reiche junge Leute), über «Verkommenheit» und «betrügerische Scharlatane» auf dem Campus. Die «Washington Post» berichtete unter Berufung auf Ermittler, dass der Todesschütze den Namen «Ismail Ax» mit roter Tinte auf einen seiner Arme geschrieben hatte. Die Bedeutung der Worte sei noch unklar.
Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass es vor der Bluttat vom Montag viele Warnsignale gab. Die Englisch-Dozentin Lucinda Roy war nach eigenen Worten so beunruhigt über ihren Studenten, dass sie die Uni-Leitung informierte und den Südkoreaner ein Semester lang allein unterrichtete. Grund war ein Theaterstück, das der gebürtige Südkoreaner im Herbst vergangenen Jahres geschrieben hatte. Das bei AOL News veröffentlichte Stück wird in US-Medien als makaber, pervers und voller Gewalt beschrieben.
Rund 30.000 Studenten und Lehrkräfte hatten am Dienstag auf einer bewegenden Trauerfeier der Opfer des bislang blutigsten Amoklaufes in der Geschichte der USA gedacht. US-Präsident George W. Bush sprach vom bislang schlimmsten Tag im Leben vieler Studenten.
Zu den Toten gehört auch der Deutsch-Dozent Christopher «Jamie» Bishop, der mit der deutschen Professorin Stefanie Hofer verheiratet war. «Er war ein lustiger Typ voll von Energie», sagte Ioannis Stivachtis, Direktor der internationalen Studienprogramme. Alle seien beim Eintreffen der Todesnachricht geschockt gewesen. Bishop, der lange Jahre in Deutschland gearbeitet und gelebt hat, hatte in Blacksburg unter anderem einen wöchentlichen Stammtisch für seine Studenten organisiert. (dpa)