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Amoklauf lässt US-Waffengegner hoffen

17. Apr 2007 20:07
Polizeiensatz auf dem Campus am Montag
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Die Fronten sind klar, schon wenige Stunden nach der Tragödie in Virginia funktionierten die klassischen Reflexe. Doch die Debatte nach dem Amoklauf ist nur ein Ritual – denn die Waffenlobby ist stark.

Bilderschau:
Wie locker in Virginia der Umgang mit Waffen ist, demonstrierte jüngst erst der demokratische Senator des US- Bundesstaates, Jim Webb. Sein Mitarbeiter und Freund Phillip Thompson wurde am Eingang des US-Kongresses mit einer Pistole und einer Menge Patronen festgenommen. Webb habe sein Grinsen kaum unterdrücken können, als er Thompson verteidigte, berichtete die «Washington Post». Schließlich habe er den «Zweiten Verfassungszusatz», der den Amerikanern das Recht auf Waffenbesitz zusichere, stets verteidigt. Er selbst trage auch eine Waffe und ließ dann schmunzelnd offen, ob er sie, wie gesetzlich vorgeschrieben, in der US-Hauptstadt polizeilich gemeldet habe. Nach dem Massaker in seiner Heimat wird Webb das Thema Waffenbesitz kaum noch heiter kommentieren.

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Die Tragödie von Virginia löst nicht nur wie die früheren Massaker eine heftige Debatte über die laschen Waffengesetze in den USA aus. Der Massenmord wird auch den längst tobenden Wahlkampf um den Einzug ins Weiße Haus nach der Wahl 2008 beeinflussen. Am Tag nach dem Amoklauf hielten sich Spitzenpolitiker wie Barack Obama oder Hillary Clinton demonstrativ mit politischen Forderungen zurück - aber alle wissen, dass diese Demokraten für schärfere Waffengesetze sind.

Die Fronten sind klar, schon wenige Stunden nach der Tragödie in Virginia funktionierten die klassischen Reflexe. «Die Waffenkontrollen reichen nicht aus», klagte der demokratische Senator Ted Kennedy. US-Präsident George W. Bush bekundete «tiefes Mitgefühl», ließ aber auch betonen, dass er glaube, «dass Leute das Recht haben, Waffen zu tragen». Und die mächtige Waffenlobby NRA (National Rifle Association) meinte, der Massenmörder hätte gestoppt werden können, wenn die Hochschule keine «waffenfreie Zone» gewesen wäre: Ein Student oder Professor hätte den Amokläufer gewaltsam aufhalten können.

Halbautomatische Waffe

Aber nicht nur Josh Horowitz von der «Koalition für den Kampf gegen Waffengewalt» stellte einen Zusammenhang zwischen dem beispiellosen Universitäts-Massaker und den besonders liberalen Waffengesetzen Virginias her. Auf «Gun Shows» (Waffenausstellungen) kann hier jeder unkompliziert Waffen kaufen. Wer nach Polizeieinschätzung ein unbescholtener Bürger ist, darf seine Waffe sogar öffentlich tragen.

Zudem nutzte der eiskalte Massenmörder in der Idylle des Hochschul-Campus offenbar halbautomatische Pistolen. 2004 hatte der US-Kongress vor allem mit Stimmen der Republikaner die Verlängerung eines Kaufverbots für diese Waffen abgelehnt. «Wie deprimierend, dass wir nicht mal diese Mörderwaffen verbannen konnten», meinte der Präsident der «Brady-Kampgange gegen Waffengewalt», Paul Helmke. Nun lägen dem Kongress Gesetzentwürfe der Demokraten für mehr Waffenkontrolle vor: «Wenn es jetzt, nach dieser schrecklichsten Massenschießerei in der Geschichte, nicht klappt, wann dann?» fragte Helmke - keineswegs besonders optimistisch.

Entscheidende Stimmen verloren

Denn die Aussichten auf mehr Waffenkontrolle in den USA scheinen gering. Schließlich feierte erst am Wochenende in St. Louis der Waffenverband NRA mit rund 60.000 Teilnehmern seine Erfolge «für die Freiheit», mit der er vor allem die Verhinderung von Waffenkontrolle meint. Ein Gericht in Washington hat kürzlich erst eines der wenigen strikten US-Waffengesetze gekippt und den Besitz von Schusswaffen in den eigenen vier Wänden wieder zugelassen. Selbstbewusst führt die Lobby, die rund 4,2 Millionen Mitglieder vertritt, die Statistik gegen schärfere Waffengesetze ins Feld. Die Zahl der Morde habe sich in den USA von etwa 17.000 im Jahr 1993 auf rund 10.000 im Jahr 2004 reduziert.

Die Demokraten wissen um die Stärke der NRA: Sie haben die Erfahrungen von Al Gore nicht vergessen. Der hatte sich im Wahlkampf 2000 nach dem Columbine-Massaker für härtere Waffen-Gesetze eingesetzt. Gore kostete das Wahlanalysen zufolge entscheidende Stimmen vor allem in den ländlichen Gebieten. Zwar seien seither mehr als 220 Menschen in Schulen und Hochschulen gewaltsam ums Leben gekommen, wie die Beratungsfirma «National School Safety und Security Services» vorrechnet - was aber ohne jede Wirkung auf die Gesetzgebung blieb. (Laszlo Trankovits, dpa)

 
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