Der heute 83-jährige Jaruzelski und seine Mitstreiter gehörten dem damals verantwortlichen «Militärrat der Nationalen Errettung» an. «Ich hoffe, dass es jetzt zu einem gewissen Durchbruch kommt», sagte Andrzej Dogon, Leiter der IPN-Ermittlungsabteilung, vor Journalisten. Jaruzelski, der am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht verhängt hatte, droht im Falle einer Verurteilung wegen Leitung einer verbrecherischen Organisation eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Zu den weiteren Angeklagten gehören außerdem General Czeslaw Kiszczak, damals Leiter des militärischen Sicherheitsdienstes und Stanislaw Kania, der 1981 Generalsekretär des Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Polens war.
Jaruzelski, der nach der friedlichen Machtübergabe der Kommunisten 1989 Staatspräsident war, hatte das Kriegsrecht stets als das geringere Übel bezeichnet. Mit der Ausrufung des Kriegszustandes sei er einer drohenden Intervention der Sowjetunion zuvor gekommen, rechtfertigte er den Ausnahmezustand.
Während des Kriegsrechtes kamen dutzende Menschen durch Polizeigewalt ums Leben, etwa 90.000 Bürgerrechtler und Anhänger der Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) wurden festgenommen. (dpa)