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EKD: Christen tragen Mitschuld am Holocaust

11. Apr 2007 20:31
Bischof Wolfgang Huber
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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Huber, hat in Israel vor einem neuen deutschen Antisemitismus gewarnt. Der EKD bekannte sich zur Mitschuld der Christen am Holocaust.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in Jerusalem zur Mitschuld der Christen am Holocaust bekannt. «In Demut und Beschämung beugen wir uns vor dem unendlichen Leid, das von Deutschen, auch von Christen in Deutschland ausgegangen ist», sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, nach einer Kranzniederlegung am Mittwoch in der Gedenkstätte Jad Vaschem.

Der Rat der EKD habe bewusst Jad Vaschem am Morgen des ersten Tages seines Besuchsprogramms im Heiligen Land besucht, sagte Huber. Die Stätte der Erinnerung und Mahnung an die sechs Millionen Opfer des Völkermords der Nationalsozialisten an den Juden sei für den Rat der EKD «unser Tor nach Israel».

Aufflackern beschämt ums

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Auch in Zukunft stelle sich die evangelische Kirche ihrer historischen Verantwortung, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. «Unsere Kinder und Kindeskinder müssen wissen, welche Verantwortung auf unser aller Schultern liegt.» In das Gästebuch von Jad Vaschem schrieb Huber: «Nur durch die Wahrheit wird aus der Erinnerung Orientierung.»

Der EKD-Ratsvorsitzende verwies auf ein Bekenntnis des evangelischen Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, der bereits 1940 erklärt hatte, die Kirche sei «schuldig geworden am Leben der schwächsten und wehrlosesten Brüder Jesu Christi». Huber sagte, er stehe als Berliner Bischof in besonderer Verantwortung: «Ich komme aus der Stadt, von der das Unheil ausging.»

«Das immer wieder neue Aufflackern von Antisemitismus in Deutschland beschämt uns», ergänzte Huber beim Besuch der Gedenkstätte. Die Erinnerung an den Holocaust sei eine Aufgabe, die auch in die kommenden Generationen weiter getragen werden müsse.

Oberrabbiner für dauerhaften Kontakt

Bereits Anfang März war eine Delegation der katholischen Deutschen Bischofskonferenz auf einer Nahost-Pilgerreise im Heiligen Land. Einzelne Bischöfe hatten dabei mit ihrer Kritik an der israelischen Politik in den Palästinensergebieten für Empörung gesorgt. Sie verglichen die Lebenssituation von Palästinensern in den Autonomiegebieten mit der von Juden in Gettos während des Zweiten Weltkriegs.

Israels Oberrabbiner Jona Metzger sprach sich beim Besuch der protestantischen Delegation für dauerhafte Beziehungen zur EKD aus. «Wir können dadurch deutlich machen, dass wir an den selben Gott glauben», sagte Metzger am Mittwoch dem EKD-Ratsvorsitzenden Huber bei einem Gespräch in Jerusalem. Ähnliche Beziehungen unterhalte die jüdische Institution in Israel bereits mit der anglikanischen Kirche in Großbritannien.

EKD soll im Nahen Osten vermitteln

Es war der erste offizielle Empfang eines obersten EKD-Repräsentanten durch einen der beiden höchsten Vertreter des Judentums im Staate Israel. Metzger bat die evangelische Kirche, bei arabischen Gesprächspartnern um Verständnis für die Interessen Israels zu werben. Eines seiner Anliegen sei die Freilassung der von Palästinensern gefangen gehaltenen israelischen Soldaten.

Der Rat der EKD besucht bis zum Sonntag Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete. Huber verwies darauf, dass erstmals alle Ratsmitglieder an einer solchen Reise des Führungsgremiums der EKD teilnehmen. Die Delegation hat Gespräche mit Repräsentanten politischer und religiöser Einrichtungen auf ihrem Programm. Am Freitag reist der Rat der EKD von Israel ins Westjordanland weiter. (epd)

 
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