10.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In der Kritik: Präsidentschaftskandidat Sarkozy
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Öffentlichkeit reagiert empört auf neue Äußerungen des Präsidentschafts- Kandidaten Sarkozy. Der hält auch den Drang sich selbst tötender Jugendlicher für genetisch bedingt.
Der konservative Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy hat mit Aussagen über eine genetische Vorherbestimmung von Kinderschändern und Selbstmördern Empörung ausgelöst. «Ich neige zu der Annahme, dass man als Pädophiler geboren wird», hatte der Ex- Innenminister dem «Philosophie Magazin» gesagt. Es sei ein Problem, dass man «diese Krankheit noch nicht behandeln kann».
Auch der Selbstmord von bis zu 1300 Jugendlichen pro Jahr habe eine genetische Ursache, zitierte das Magazin Sarkozy. «Sie bringen sich nicht ums Leben, weil ihre Eltern sich nicht gut um sie kümmern.»
Der Zentrumskandidat François Bayrou warf Sarkozy vor, seine Einstellung seien für eine Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts unangemessen. Der nationalistische Kandidat Philippe de Villiers sprach von einem «Rückfall in eine andere Ära», Sarkozy rede der Eugenik das Wort - der Erbgesundheitslehre.
Auch die katholische Kirche reagierte entrüstet. Am beunruhigendsten sei die Idee, dass man sein Schicksal nicht beeinflussen könne, sagte der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois.
Wissenschaftlich nicht geklärtSarkozy versuchte sich am Dienstag zu rechtfertigen. Er habe mit seinen Aussagen lediglich eine Debatte anregen wollen, sagte er dem Fernsehsender France 2. «Welcher Prozentsatz ist angeboren, welcher erworben? Ich habe darauf keine Antwort, aber lasst uns darüber diskutieren.»
Wissenschaftlich ist die Frage, ob eine pädophile Ausrichtung angeboren oder erworben wird, nicht geklärt. Die meisten Experten gehen von einem Zusammenspiel genetischer, psychologischer und sozialer Faktoren, etwa traumatischen Kindheitserfahrungen, aus. Es gibt tiefenpsychologische Verfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen, deren Wirksamkeit ist aber umstritten. (nz/AP)