Jugendkrawalle heizen Wahlkampf in Frankreich an
28. Mrz 2007 18:13
 |  Festnahme eines Randalierers in der Pariser U-Bahn | Foto: AP |
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Präsidentschafts-Kandidatin Royal hat der konservativen Regierung die Schuld an Ausschreitungen in der Pariser Metro gegeben. Ihr Rivale Sarkozy verteidigte hingegen die Polizei.
Nach den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei in der Pariser U-Bahn ist die innere Sicherheit in den Fokus des Präsidentschafts-Wahlkampfs gerückt.
Der frühere Innenminister und Kandidat der regierenden UMP, Nicolas Sarkozy bezeichnete die Ausschreitungen am Mittwoch als inakzeptabel, er verteidigte das Vorgehen der Polizei. Die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal machte hingegen die konservative Regierung für den Gewaltausbruch verantwortlich. Die rechtsgerichtete Politik der UMP habe die Gesellschaft gespalten, sagte Royal. «Etwas stimmt nicht mit unserem Land, wenn eine einfache Kontrolle zu einer derartig brutalen Konfrontation führt.»
Die Unruhen waren am Dienstag durch die Kontrolle eines Schwarzfahrers ausgelöst worden, der handgreiflich wurde. Der 33-Jährige ist laut Innenminister François Baroin mehrfach vorbestraft und von der Abschiebung bedroht.
Hunderte an Randale beteiligt
Bei darauf folgenden Krawallen, an denen sich etwa 300 Menschen in der Station Gare du Nord beteiligten, wurden in der Nacht zum Mittwoch mindestens neun Menschen verletzt. Fernsehaufnahmen der stundenlangen Verfolgungsjagden und Plünderungen riefen Erinnerungen an die Vorstadtunruhen vor anderthalb Jahren wach.Nach Angaben der Verkehrsbetriebe schlug der Schwarzfahrer auf zwei Kontrolleure ein und stachelte die umstehenden Jugendlichen auf. Einige Augenzeugen wiesen dies zurück: sie sagten, der Mann aus dem Kongo sei grob behandelt worden.
Als die Verstärkung der Polizei eintraf, heizte sich die Stimmung weiter auf, es flogen erste Gegenstände auf die Beamte. Acht Bahnmitarbeiter sowie ein Polizist wurde nach offiziellen Angaben leicht verletzt.
«Angriff der Stadt-Guerilla»
«Auf eine Routineüberprüfung folgte der Angriff einer Stadt-Guerilla», sagte Innenminister Baroin, der erst am Montag Sarkozy als Innenminister abgelöst hatte. Nichts könne rechtfertigen, was geschehen sei. Hunderte Schaulustige versammelten sich zudem auf den verschiedenen unterirdischen Ebenen des Bahnhofs. Einige der Jugendlichen hatten sich Metallstangen von Absperrungen gegriffen, mit denen sie gegen Getränkeautomaten und Schaufenster schlugen.
Ein Sportgeschäft wurde geplündert, mehrere Mülleimer und ein Info-Stand gingen in Flammen auf. Die Polizei ging mit Tränengas, Schlagstöcken und Hunden gegen die Randalierer vor. 13 von ihnen, darunter fünf Minderjährige, wurden festgenommen.
Von der Metrostation fahren zahlreiche Züge in die Trabantenstädte nördlich der Hauptstadt, wo im Herbst 2005 die Krawalle begannen. An diesen waren vor allem Jugendliche aus Einwandererfamilien beteiligt, die sich ausgegrenzt fühlen.
Royal zog eine direkte Verbindung: «Sie liegt in der Spaltung der Gesellschaft. Die Gewalt und die Brutalität haben zugenommen.» Die Menschen seien gegeneinander abgerichtet und hätten Angst voreinander, sagte sie mit Blick auf Sarkozys Politik der harten Hand gegenüber Straftätern.
Sarkozy als «Fascho» beschimpft
«Wenn sich die Linke auf die Seite der Schwarzfahrer stellt, ist es ihr Recht», erwiderte Sarkozy, als er am Mittwoch am Gare du Nord umstieg. Dass sich «Schlägertypen an Bahnhöfen derart aufführen», sei nicht tolerierbar. Als der Kandidat der bürgerlichen UMP den Bahnsteig wechselte, schlugen ihm aus der Menge die Worte «Fascho» und «Provokateur» entgegen. Der rechtsnationalistische Kandidat Philippe Villiers (MPF) sprach von einer «Provokation durch Banden von Einwanderern und Barbaren, die auf dem französischen Boden nichts zu suchen haben». Der neue Innenminister Baroin bezeichnete eine politische Instrumentalisierung der Ausschreitungen als verantwortungslos. (AP)