Afghanische Frauen sehen in Tod oft einen Ausweg
28.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Das (Selbstverbrennung) ist ein richtig großes Problem in Afghanistan», sagt Nabila Wafik, die sich für die Hilfsorganisation Medica Mondiale mit dem Thema beschäftigt hat. Ihre Organisation hat Frauen interviewt, die einen Suizidversuch überlebt haben. Viele seien der Meinung, Selbstverbrennung sei ein sicherer Weg sich umzubringen als beispielsweise die Einnahme von Medikamenten.
«Sie glauben, sie würden so ganz sicher sterben», sagt Wafik. Einige der verzweifelten Frauen ahmen mit ihrer Selbstverbrennung offenbar nach, was sie im Fernsehen gesehen haben. Diese Beiträge verschweigen jedoch häufig, dass die Überlebenden schwer entstellt sind.
Dokumentationen verschiedener Menschenrechtsorganisationen legen jedoch die Vermutung nahe, dass Selbstverbrennung ein landesweites Problem ist, das sich immer weiter ausbreitet. Während vor zwei Jahren in der Provinz Farah 15 Fälle von Selbstverbrennung pro Jahr gemeldet wurden, waren es in den vergangenen sechs Monaten bereits 36.
In Kandahar wurden vor zwei Jahren 74 Fälle pro Jahr registriert, allein in den vergangenen sechs Monaten waren es dagegen schon 77. Die enorm gestiegene Zahl sei möglicherweise auch auf verbesserte Datensammlung zurückzuführen, sagt Hussein Hasrat, der an der Erstellung des AIHRC-Berichtes beteiligt war.
«Diese Zahlen sind schockierend und sie sind bezeichnend für das viel weit reichendere Problem der Gewalt gegen Frauen», sagt Caroline Hames vom Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (Unifem). Und sie fügt hinzu: «Suizide sind nur eine Konsequenz dieser Gewalt, die für so viele Frauen in Afghanistan tägliche Realität ist.»
Unter den Taliban durften Frauen in Afghanistan keine Schule besuchen und nicht arbeiten. Doch obwohl es seit ihrem Sturz im Jahr 2001 Fortschritte in Bezug auf die Rechte der Frauen gibt, schätzt Unifem, dass mindestens jede Dritte schon einmal geschlagen, zum Geschlechtsverkehr gezwungen oder anderweitig misshandelt wurde. Die Täter stammen gewöhnlich aus dem Kreis der Familie oder sind den Opfern zumindest bekannt. Strafrechtlich verfolgt wird kaum einer. (Alisa Tang, AP)

