28.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Geschichte in Akten: Holocaust-Archiv in Arolsen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das US-Abgeordnetenhaus hat eine rasche Öffnung des weltweit größten NS-Archivs im hessischen Bad Arolsen gefordert. Doch Wahlen in europäischen Staaten verzögern dies.
Die USA dringen auf eine beschleunigte Öffnung des Holocaust-Archivs im hessischen Bad Arolsen. Der außenpolitische Ausschuss des Repräsentantenhauses billigte am Dienstag in Washington eine Entschließung, die alle elf Mitgliedsstaaten im internationalen Aufsichtsrat für das Archiv aufruft, das vereinbarte Protokoll für die Freigabe der Dokumente so bald wie möglich zu ratifizieren. Die Resolution muss noch vom Plenum des Abgeordnetenhauses verabschiedet werden. In Bad Arolsen werden Akten zu mehr als 17,5 Millionen Häftlingen, Zwangsarbeitern und anderen Verfolgten des Nazi-Regimes aufbewahrt.
Der Ausschuss fordert die elf Mitgliedsländer des Arolsen-Archivs auf, das Protokoll über den weitgehenden Zugang zu den Daten des Suchdienstes des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes (ITS) so rasch wie möglich zu ratifizieren. Angesichts eines Wiederauflebens des Antisemitismus in einigen Teilen der Welt sowie der jüngsten antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sei die Öffnung des Archivs dringender denn je, heißt es in einer am Dienstag in Washington verabschiedeten Resolution.
Nur vom SuchdienstAllerdings kann das Archiv erst dann tatsächlich von Forschern genutzt werden, wenn elf Länder des Ausschusses für den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes (ITS) dies schriftlich abgesegnen. Bisher gab es mehrere Anläufe dazu, die bisher alle nicht zu tatsächlichen Öffnung führten. Israel, die USA, Polen und die Niederlande haben die Vereinbarung zur Öffnung von Bad Arolsen bereits ratifiziert. Deutschland, Großbritannien und Luxemburg wollen vor der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats im Mai folgen. Formell hatte die Bundesregierung der Öffnung bereits im Juni 2006 zugestimmt. In Frankreich und Belgien aber könnten die anstehenden Wahlen für Verzögerungen sorgen, und in Italien und Griechenland scheint die Situation unklar.
Bisher durfte das Archiv nur für den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes genutzt werden. 1943 vom Britischen Roten Kreuz begründet, kümmert sich der Suchdienst um das Schicksal während der NS-Zeit verschleppter und verschwundener Personen. Sein Kernbestand sind Karteien von NS-Organisationen wie der SS und Akten aus der Verwaltung der Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Daten sollen künftig digital gespeichert und an die Mitgliedstaaten übergeben werden. (nz/AP/dpa)