Festnahmen nach Mord an deutschem Helfer
09. Mrz 2007 09:00, ergänzt 20:18
 |  Straße in Afghanistan | Foto: dpa |
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Bei dem in Afghanistan ermordeten deutschen Entwicklungshelfer handelt es sich um einen Bauingenieur aus Baden-Württemberg. Die Polizei nahm inzwischen mehrere Tatverdächtige fest.
Nach dem Mord an einem deutschen Entwicklungshelfer in Nordafghanistan hat die Polizei am Freitag acht Verdächtige festgenommen. «Sie werden jetzt von der Polizei verhört», sagte der Gouverneur der Provinz Sari Pul, Sajed Mohammad Ikbal Munib, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.
Die Männer werden verdächtigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Mehr als 100 zusätzliche Polizisten seien zur Verstärkung in die Region geschickt worden, um die Täter zu fassen, hieß es. Gemeinsame Ermittlungen mit der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf seien angelaufen.
Opfer galt als erfahren
Bei dem Ermordeten handelt es sich um den 65 Jahre alten Bauingenieur Dieter Rübling aus Weikersheim in Baden-Württemberg. Der Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe war am Donnerstag erschossen worden.Rübling sei für einen Drei-Monats-Einsatz in Afghanistan gewesen und habe eine langjährige Erfahrung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit gehabt, wie seine Organisation mitteilte. Der Leichnam wurde laut einem Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums inzwischen in ein Camp der Bundeswehr gebracht. Die Rückführung nach Deutschland wird derzeit geklärt.
Die Welthungerhilfe geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem Raubüberfall aus, sondern vermutet «ideologische Motive». Allerdings müssten die genauen Umstände der Tat noch geklärt werden, hieß es.
Deutsche Helfer abgezogen
Alle 25 deutschen Helfer der Welthungerhilfe in Afghanistan wurden einstweilen zurückbeordert. Der Generalsekretär der Organisation, Hans-Joachim Preuß, sagte, die Sicherheitslage werde neu bewertet. Die Projekte am Ort würden in der Zwischenzeit von einheimischem Personal fortgeführt. Andere Hilfsorganisationen wiesen ihre Mitarbeiter an, vorerst keine Überlandfahrten zu unternehmen.Laut der «Stuttgarter Zeitung» war auf Rübling 1993 bereits ein Anschlag in Somalia verübt worden. Er sei damals für das Technische Hilfswerk in dem ostafrikanischen Land unterwegs gewesen, um Flüchtlingen Hilfe zu leisten, hieß es. Sein Fahrzeug sei bei dem Überfall von 15 Kugeln getroffen worden. Rübling konnte sich demnach verletzt in Sicherheit bringen.
Bundesregierung verspricht Aufklärung
Die Bundesregierung hatte sich am Donnerstagabend bestürzt über den Vorfall geäußert. «Noch sind die Hintergründe der Tat nicht aufgeklärt, aber sie erfüllt uns mit Trauer und Entsetzen», sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Brüssel. Die Bundesregierung werde alles daran setzen, die schreckliche Tat aufzuklären und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bekundete in Berlin ihre Hochachtung und ihren Respekt vor der oft riskanten Arbeit der Aufbauhelfer. Die Stabilisierung und der Wiederaufbau Afghanistans nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs, der Fremdherrschaft und des Talibanregimes seien eine der schwierigsten Aufgaben, die es derzeit gebe. (nz/dpa/AP)