Seit der letzten Präsidentenwahl 2002 hat Bayrou seine kleine Zentrumspartei UDF (Union pour la Démocratie Française) mit ihren 30 Abgeordneten Schritt für Schritt von der übermächtigen Regierungsformation UMP emanzipiert und auch den Bruch - bei einer Etatabstimmung - nicht gescheut. Programmatisch ist der Titel seines Buches von 1999: «Jenseits der ausgetretenen Pfade». Jetzt sieht der gelernte Lehrer, mehrfache Bildungsminister und sechsfache Vater die Zeit gekommen, für Überraschungen zu sorgen. Auf seinem dritten Weg will Bayrou die Konfrontation und diesen «fortwährenden Krieg» zwischen Sozialisten und Neogaullisten hinter sich lassen «und Frankreich damit aus der Sackgasse herausbringen». Ihm schwebt vor, «die kompetenten Leute der verschiedenen politischen Lager zusammenarbeiten zu lassen».
Immerhin 6,6 Millionen Zuschauer fand Bayrous eineinhalbstündige Präsentation in dieser Woche im Fernsehsender TF1. Sarkozy und Royal kamen bei ihren TV-Auftritten auf acht bis neun Millionen. Jeder Dritte gewönne nach einer Umfrage einer Art «Großen Koalition» etwas ab.
Auf Höhenflug ist Bayrou, seit eine Befragung ihn als Sieger in einer Stichwahl gegen Sarkozy wie auch gegen Royal sah. Utopisch? Wahrscheinlich schon, aber sicher sein kann niemand. Der Aufsteiger aus dem Stall des früheren Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing macht jedenfalls die anderen unruhig.