15. Feb 2007 17:55
Die Kampagnen von Hillary Clinton in den USA und Ségolène Royal in Frankreich zeigen: Das Internet wird zu einem immer wichtigeren Instrument im Wahlkampf.
«Ich beginne keinen Wahlkampf, ich beginne eine Diskussion», sagte die ehemalige First Lady und machte damit deutlich, dass der Dialog mit den Wählern ein wichtiger Bestandteil ihrer Kampagne werden soll.Kein Wunder: Nach einer aktuellen Studie des Pew Forschungszentrums verfügen mittlerweile 45 Prozent aller US-Bürger zu Hause über einen Breitband-Internetzugang. Im März 2006 stellten die Wissenschaftler bereits fest, dass der Anteil der Internetnutzer im Land binnen eines Jahres von 66 auf 73 Prozent gestiegen war.
Auf der Site www.hillaryclinton.com registrierten sich denn auch rasch mehr als 150.000 Besucher als Unterstützer von Hillary Clinton. Selbstverständlich liefert sie das Pflichtprogramm jeder Web 2.0-Politikerin ab: Stellungnahmen zu politischen Themen, Aufforderungen an die Besucher, ihre eigene Meinung zu äußern, Chatten mit den Wähler...
Die demokratische Politikerin kehrt aber auch den Spieß um - auf Yahoo Answers stellte Hillary Clinton die Frage, wie nach Ansicht der US-Bürger die Gesundheitsversorgung verbessert werden könne. Innerhalb von 24 Stunden sollen mehr als 33.000 Antworten gekommen sein, meldete Search Engine Journal - ein Beweis dafür, dass «Politik 2.0» funktioniere.
Eine offizielle Bloggerseite soll in Kürze auf Clintons Homepage erscheinen. Leiter ihrer Online-Kampagne ist ein Experte für politische Blogs, Peter Daou, der bereits die Präsidentschaftskampagne des Demokraten John Kerry 2004 mitgestaltet hatte. Daou ist auch durch Postings im Magazin «Salon.com» und der «Huffington Post» von Starbloggerin Arianna Huffington bekannt geworden. In den USA ist die Zahl der Blogger laut Statistiken seit 2004 von 1,4 Millionen auf 55 Millionen angewachsen. Über Wahlkampagnen wird auf viel besuchten Blogsites wie MyDD, PoliticalWire und DailyKos diskutiert.
Die Macht der Blogger hat auch Ségolène Royal erkannt. Die französische Sozialistin kämpft darum, in diesem Jahr erste Präsidentin in der Geschichte des Landes zu werden. Ihre Kandidatur gab Royal im vergangenen September zwar nicht online, sondern auf einer Versammlung ihrer Partei im südfranzösischen Vitrolles bekannt. In ihrer Wahlkampfstrategie hat das Internet jedoch einen hohen Stellenwert.
Auf einer Vorschaltseite zu ihrer offiziellen Site «Désirs d'avenir» (Wünsche der Zukunft) stellt Royal ihre «100 Vorschläge» für die Präsidentschaft vor. Über das Internet habe sie bereits 135.000 Reaktionen erhalten, heißt es auf www.desirsdavenir.org.
Für manche Augen ist die Optik der Website von Frau Royal im übrigen gewöhnungsbedürftig. Die Site wirkt schrill und überfrachtet. Noch geschmackloser kommt ein weiteres Forum von Royal-Anhängern daher: die in mehreren Sprachen gehaltene inoffizielle Site segoleneroyal2007.forumactif.com. Hier kann man sich Videos der Sozialistin anschauen, auf «segosphere.blogspot.com» werden Tipps für Einsteiger in die Blogosphäre gegeben.Wie weit die «Ségosphäre» reicht, zeigt eine Grafik auf der Seite des «Observatoire Présidentielle 2007», die Websites von Unterstützern Royals und aus deren Umfeld analysiert. Von 116 «Ségo»-Sites führen demnach 841 Links zu 360 Webseiten in der «Nachbarschaft».