netzeitung.deTaliban wollen eigene Schulen bauen

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Waisenkinder in Afghanistan (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Waisenkinder in Afghanistan
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Einst zerstörten die Taliban in Afghanistan Schulen, nun steuern sie in die andere Richtung. Die Regierung vermutet, dass die Islamisten gezielt Terroristen ausbilden wollen.

Die radikal-islamischen Taliban haben angekündigt, im umkämpften Süden Afghanistans eigene Schulen zu eröffnen. Die Regierung will das allerdings verhindern: Bildungsminister Mohammad Hanif Atmar drohte, dass die Armee solche Einrichtungen zerstören werde - denn sie dienten vor allem dem Training von Terroristen.

Die 2001 gestürzten Islamisten hatten sich während ihrer Herrschaft als Bildungsfeinde hervorgetan: Laut offiziellen Statistiken brannten sie im vergangenen Jahr mehr als 180 Schulen nieder. 61 Lehrer und Schüler wurden ermordet.

Auf ihrer Website teilten die Taliban nun mit, zunächst in zehn Distrikten Kinder unterrichten lassen zu wollen. Den Islamisten haben dafür nach eigenen Angaben eine Million Dollar zur Verfügung.

Laut politischen Beobachtern rechnen die wieder erstarkten Taliban offensichtlich damit, den Untergrund bald wieder zu verlassen. Ihr Schulprojekt begründeten sie damit, in allen Aspekten auf die «Niederlage der Feinde» vorbereitet sein wollen - also auf den Abzug der ausländischen Truppen und den Sturz der Regierung in Kabul.

Dass es soweit noch längst nicht ist, halten die Taliban offenbar kaum für hinderlich. «Die Regierung kontrolliert die Städte (in den betroffen Provinzen), aber wir kontrollieren die gesamten ländlichen Gebiete, also sollte es keine Probleme geben», sagte Taliban-Sprecher Kari Yousuf Ahmadi der britischen BBC.

Erst Jungen-, dann Mädchenschulen
Mit ihren Schulen wollten sie «Schaden von der Bildung der Kinder der Nation» abwenden, begründen die Taliban den Plan. Dabei hatte das frühere Regime mit seinem Schulverbot für Mädchen einem Großteil der Kinder Bildung verweigert. Viele eingeschüchterte Eltern im Süden lassen ihre Kinder deshalb zu Hause. Viele Schulen, die als Zeichen des Fortschritts gefeiert wurden, sind inzwischen wieder geschlossen.

Nun wollen die Taliban angeblich erst Jungen- und dann Mädchenschulen eröffnen. Auch über den Lehrplan haben sich die Islamisten, die nach eigenen Angaben eine «unabhängige Kommission» eingerichtet haben, Gedanken gemacht.

Taliban-Sprecher Ahmadi erklärte, auf dem Stundenplan sollten Fächer wie Geschichte und Erdkunde, Physik und Chemie stehen - und natürlich «islamische Studien». Mit dem Druck tausender Lehrbücher sei bereits begonnen worden. (nz)