USA verdoppeln Kampfkraft in Golfregion
17. Jan 2007 11:57, ergänzt 12:54
 |  Auf dem Weg in den Persischen Golf: Flugzeugträger 'USS Stennis' | Foto: AP |
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Die USA verstärken ihre Militärpräsenz im Nahen Osten. Dadurch nähren sie die Befürchtung, sie planten einen Angriff auf den Iran. Experten jedenfalls sprechen bereits offen von einer möglichen Konfrontation.
Eine verstärkte Aufrüstung in der Golfregion und verbale Attacken von Präsident George W. Bush signalisieren, dass die USA in der Iran-Politik eine schärfere Gangart anschlagen. Während der Flugzeugträger «USS Stennis» zum Persischen Golf aufbricht, verteidigen hohe Regierungsbeamte in Washington die verstärkte Militärpräsenz als einzige Möglichkeit, die iranische Führung zu beeindrucken. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die USA nach vier Jahren Krieg im Irak verwundbar geworden seien.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierte unbeeindruckt. Er rechne weder mit einem Angriff Israels noch der USA. «Weder Israel noch seine Herren werden so verwegen sein, uns anzugreifen», sagte der Staatschef der spanischen Zeitung «El Mundo». «Eine solche Dummheit werden sie nicht begehen. Sie kennen die Fähigkeiten des iranischen Volks [zur Verteidigung] sehr genau.»
Die diplomatischen Beziehungen gegenüber dem Iran wie auch gegenüber Syrien sind eingefroren. Und Washington scheint nicht gewillt, der Empfehlung der Baker-Hamilton-Kommission zu folgen, im Interesse einer Lösung des Irak-Konflikts Kontakt zu den Führungen in Teheran und Damaskus aufzunehmen.
«Strom der Unterstützung»
In seiner Fernsehansprache in der vergangenen Woche sagte Bush, es könne keinen Umgang mit Staaten geben, die den Terrorismus finanzierten. Zugleich kündigte er an, den «Strom der Unterstützung» von irakischen Terroristen aus dem Iran und Syrien zu unterbrechen. Die Londoner Zeitung «Sunday Times» hatte zudem vor gut einer Woche berichtet, Israel habe einen Geheimplan für einen Angriff mit Atomwaffen auf eine Uran-Anreicherungsanlage im Iran ausgearbeitet. Israel dementierte den Zeitungsbericht umgehend.
In Washington wird ungeachtet dessen offen darüber spekuliert, ob es im Verhältnis zu Teheran beim Kalten Krieg bleibt oder ob eine militärische Konfrontation bevorsteht.
Vorgeschmack im Irak
Der im Iran geborene Nahostexperte Trita Parsi erwartet langfristig einen militärisch ausgetragenen Konflikt. Ein «endloser» Kampf um ein Machtgleichgewicht würde nur an den Ressourcen der USA zehren und die amerikanische Position in der Region untergraben. «Der Iran ist eine Großmacht in dieser Region. Man kann sie nicht eindämmen, ohne sich auf eine Konfrontation einzulassen.»Einen ersten Vorgeschmack gab möglicherweise bereits der Angriff amerikanischer Truppen auf ein iranisches Verbindungsbüro in der nordirakischen Stadt Erbil in der vergangenen Woche. Dabei wurden fünf Iraner gefangen genommen, die nach Angaben der US-Streitkräfte zu einer Einheit der Iranischen Revolutionsgarde gehören, die Aufständische im Irak mit Geld und Waffen unterstützt.
Sorge im US-Kongress
Außenministerin Condoleezza Rice sprach danach von einer Antwort auf «iranische Aktivitäten, die schon eine Weile andauern und die nicht nur die Chance auf mehr Stabilität im Irak bedrohen, sondern auch unsere Truppen gefährden». Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen und verlangt die Freilassung der fünf Iraner sowie eine Entschädigung. Auch im US-Kongress wächst die Sorge. Abgeordnete haben die Regierung aufgefordert, sie solle erklären, ob ein militärisches Vorgehen gegen den Iran geplant sei und ob dies ohne Bewilligung des Parlaments möglich sei. Die Regierung pflegt darauf zu antworten, dass die Diplomatie an erster Stelle stehe, dass militärische Optionen aber nicht auszuschließen seien.
Front gegen Iran
Der Nahostexperte James Carafano von der Heritage Foundation sieht in der jüngsten Entwicklung die Absicht, «dem Iran zu zeigen, dass es den USA ernst ist mit dem Schutz ihrer Interessen am Golf». Hintergrund sei die Wahrnehmung, dass sich das Regime in Teheran gestärkt fühle aufgrund der Probleme der USA im Irak und auch aufgrund der Schwierigkeiten, eine klare internationale Front gegen das iranische Atomprogramm aufzubauen. Auch US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, die Iraner seien offenbar überzeugt, «dass wir im Irak gebunden sind, dass die Initiative bei ihnen liegt und dass sie in einer Position sind, uns auf mancherlei Weise unter Druck zu setzen».
US-Streitkräfte verdoppelt
Der Flugzeugträger «USS Stennis» verließ am Dienstag seinen Heimathafen Bremerton im US-Staat Washington. Die 3200 Soldaten an Bord legen zunächst einen Stopp in San Diego ein, um Kampfflugzeuge aufzunehmen. Dann nimmt sie Kurz zum Persischen Golf auf, um sich dem Flugzeugträger «USS Dwight D. Eisenhower» anzuschließen und die Kampfkraft der US-Streitkräfte in dem Seegebiet zu verdoppeln. Außerdem verlegen die USA eine Patriot-Raketenabwehrstellung aus Fort Bliss in Texas in den Mittleren Osten. Sie sollen nach Angaben von Offizieren den Verbündeten in der Region die Gewissheit geben, dass sie angesichts einer Bedrohung durch iranische Raketen geschützt sind. (nz/AP)