13.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Moskauer Krankenhaus, in dem der Zeuge Lugowoi untersucht wird.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dem russischen Ex-Spion Litwinenko ist das tödliche Gift laut einem Zeugen bereits Mitte Oktober verabreicht worden. Mehrere Kontaktpersonen sind offenbar aus Angst um ihr Leben untergetaucht.
Ein Informant des mit radioaktivem Polonium 210 getöteten Alexander Litwinenko ist sicher, dass der ehemalige russische Geheimagent bereits vor dem 1. November vergiftet wurde. An dem Tag hatte Andrej Lugowoi den Ex-Spion gemeinsam mit dem Geschäftsmann Dmitri Kowtun in einem Londoner Hotel getroffen.
Lugowoi, der wie Kowtun in Moskau auf mögliche Strahlenschäden untersucht wird, sagte der Zeitung «Moskowsky Konsomolez», er und Litwinenko hätten das Gift bereits am 16. Oktober aufgenommen.
An dem Tag besuchte Lugowoi mit Litwinenko eine Sicherheitsfirma in London, in der später auch Spuren von Polonium gefunden wurden. Am 1. November sei er nicht dort gewesen, sagte er in dem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch.
Lugowois Aussagen entsprechen denen von Kowtun, der am Dienstag in einem Interview mit «Spiegel TV» bereits von einer möglichen Vergiftung Mitte Oktober gesprochen hatte, als er in London Litwinenko traf.
Zeugen verschwundenAndere Schlüsselfiguren im Fall Litwinenko sind für die Ermittler derzeit nicht mehr ausfindig zu machen, wie die britische «Times» berichtet. Die Zeugen seien offenbar aus Angst um ihre Sicherheit untergetaucht, heißt es. Ihre Familien hätten angegeben, dass sie um ihr Leben fürchteten.
So hat der Russe Jewgenij Limarew, der Litwinenko kurz vor seiner Vergiftung sagte, dass er auf einer Todesliste stehe, dem Bericht zufolge fluchtartig seine Wohnung in Frankreich verlassen. Dort habe er unter Polizeischutz gestanden, schreibt die Zeitung. Vor seinem Verschwinden habe Limarew gesagt, dass Scotland Yard von ihm erfahren wollte, woher die Liste stammte.
Mit Unterstützung von Interpol wird derzeit in fünf Ländern ermittelt - Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Russland. Limarew - wie Litwinenko ein ehemaliger Agent des russischen Geheimdienstes FSB, der aus seiner Heimat floh - rechnete nach eigenen Angaben nicht damit, dass seine Identität öffentlich bekannt würde.
«Jetzt wo mein Name mit dem Fall in Verbindung gebracht wird, fürchte ich, dass mir etwas zustößt», sagte der frühere Agent vergangene Woche. Informanten in Russland, die ihm die Todesliste übergeben hätten, würden selbst vom FSB verfolgt, so Limarew. Bewaffnete Geheimagenten hätten bereits ihre Wohnungen durchsucht.
Kowtun und Lugowoi abgeschirmtIn Moskau warten britische Ermittler weiterhin darauf, Kowtun und Lugowoi zu vernehmen. Die Männer werden derzeit in Moskauer Krankenhäusern von der Außenwelt abgeschirmt.
Laut der «Times» sehen die russischen Behörden in Kowtun eine weitere Zielscheibe für Litwinenkos Mörder. In Hamburg wird gegen ihn zudem wegen Schmugggels von Polonium 210 ermittelt. Die Substanz, an der Litwinenko starb und deren Spuren in mehreren Ländern gefunden wurden, soll von Russland illegal über Deutschland nach Großbritannien gelangt sein. Kowtun streitet bisher jede Beteiligung an dem Anschlag auf Litwinenko ab. (nz)