03.12.2006
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Der frühere Regierungschef Berlusconi
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Zahlreiche Gegner der italienischen Regierung haben am Wochenende in Rom demonstriert. Oppositionschef Berlusconi gab sich trotz gesundheitlicher Probleme angriffslustig.
Von Peer MeinertKurz vor ihrem großen Auftritt treffen sich Silvio Berlusconi und die anderen rechten Parteiführer in einem kleinen Wohnwagen. Es ist kalt in Rom, die Prominenz will sich nur schnell ein wenig aufwärmen, bevor sie hinaus aufs Podium geht.
Es ist «Berlusconi-Day», wie es das italienische Fernsehen nennt. Niemand weiß genau, wie viele Demonstranten am Samstag nach Rom gekommen sind. Manche Parteiführer sagen eine Million, manche zwei Millionen. Es herrscht Hochstimmung: Noch vor einer Woche war der «Cavaliere» vor den Augen von Millionen TV-Zuschauern bei einer Rede zusammengebrochen - jetzt scheint die Rückkehr zur Macht fast greifbar.
«Berlusconi ist wie der Boxer Rocky», sagt ein Parteisprecher, «wenn Du meinst, er hat verloren, kommt er zurück und gewinnt.» Monatelang hatte die Rechte vergeblich nach einer Strategie gegen die Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi gesucht. Die Hoffnung, dass die Links-Koalition bereits im Herbst bei der Haushaltsdebatte scheitert, erwies sich als Illusion.
Rechtes Lager braucht starkes ZeichenSchon nahm Berlusconi, der 70-jährige, ein erstes Brodeln und Grummeln im Rechtslager wahr, bemerkte, dass seine Autorität in Gefahr gerät. Die Ohnmacht vor laufenden Kameras drohte, als weitere Schwäche gewertet zu werden. «Berlusconi brauchte dringend einen Erfolg», meinte ein Vertrauter. Die politische Botschaft dieses Wochenendes ist klar: Der reichste Mann Italiens, der noch vor gut drei Tagen angeschlagen im Krankenhaus lag, setzt voll auf Angriff.
Ungeschminkt ruft er zum Sturz Prodis auf («Wir wollen die Regierung nach Hause schicken»), zieht alle Register, sogar der alten Vorwurfe des angeblichen Wahlbetrugs wird wieder hervorgeholt: «Lasst uns die erneute Zählung aller Stimmzettel verlangen.»
Berlusconi sucht sein Comeback. Dass er erneut wegen Betrugsverdacht vor Gericht steht, dass zwei Strafverfahren gegen ihn laufen, scheint ihn und seine Anhänger kaum zu irritieren. Wenn auch die Behauptung der Rechtsparteien «Wir sind heute zwei Millionen in Rom» stark übertrieben scheint (die Behörden sprechen von 700.000 Teilnehmer) - Prodi dürfte doch erheblich unter Druck geraten.
«Plebiszit für Berlusconi»Der Wirtschaftsprofessor aus Bologna, der bei den Wahlen im April seine hauchdünne Mehrheit gewonnen hatte, ist in die Defensive geraten. «Es sind nicht die Demonstranten auf der Straße, die eine Regierung zu Fall bringen», meint er - sonderlich optimistisch klingt das nicht.
Seit einem halben Jahr ist Prodi im Amt, über ein halbes Dutzend Mal musste er zum «Zuchtmittel» der Vertrauensabstimmung greifen - und dennoch ist der Haushalt noch nicht verabschiedet. «Plebiszit für Berlusconi»«, meinte selbst die Berlusconi-kritische Zeitung »La Repubblica« am Sonntag. (dpa)