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Islam-Gelehrte ächten Mädchenbeschneidung

27. Nov 2006 11:54
Said Mohammed Tantawi
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Einflussreiche Islam-Forscher haben in Kairo diskutiert, ob der Koran zur Genitalverstümmelung bei Mädchen auffordert. Ihr Ergebnis: Die Beschneidung verstoße gegen die Werte des Islam.

Internationale Islam-Gelehrte haben bei einer Konferenz in Kairo eine Ablehnung der Beschneidung von Mädchen verabschiedet. «Weibliche Genitalverstümmelung ist ein strafbares Verbrechen und verstößt gegen die höchsten Werte des Islam», hieß es nach Angaben des Veranstalters der Konferenz in dem Beschluss der renommierten Runde. Der Beschluss habe den Wert einer Fatwa, eines verbindlichen Rechtsgutachtens, hieß es.

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Zwei Tage lang diskutierten vergangene Woche internationale Religionswissenschaftler und Mediziner in der Azhar-Universität in Kairo über die Genitalverstümmelung bei Mädchen. Eingeladen hatte die Menschenrechtsorganisation «Target» des Abenteurers Rüdiger Nehberg. Das Ergebnis der Tagung komme laut Target einer «theologischen Sensation» gleich. Darin hieße es unter anderem: «Die Genitalbeschneidung bei Frauen ist eine ererbte Unsitte ohne Grundlage im Koran.» Daher müssten die Praktiken unterbunden werden in Anlehnung an einen der höchsten Werte des Islam, nämlich den Menschen unbegründet keinen Schaden zufügen zu dürfen. Die Gesetzgeber würden aufgefordert, «diese grausame Unsitte als Verbrechen zu deklarieren.»

«Millionen Mädchen geschützt»

Zu den teilnehmenden Wissenschaftlern zählten den Angaben zufolge «renommierte Gelehrte« wie der Großscheich der Azhar-Universität Said Mohammed Tantawi, der ägyptische Religionsminister Mohammed Zakzouk und der sunnitische ägyptische Religionsgelehrte Scheich Yusuf al Qaradawi mit Wohnsitz in Katar. Weitere Teilnehmer kamen aus Europa, Asien und Afrika. Mit diesem Beschluss würden »Millionen Mädchen geschützt«, teilte die Menschrechtsorganisation weiter mit.

Nach Angaben der Menschrechtsorganisation »Terre des Femmes« leben weltweit mehr als 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Jedes Jahr würden erneut etwa drei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktik, das seien 8000 jeden Tag. Vor allem in den islamisch geprägten Ländern der Sahelzone ist diese Praxis nach Angaben von Target sehr verbreitet. Doch auch in Deutschland gebe es immer wieder Fälle von Beschneidungen von Mädchen.

«Mecka der Gelehrten»

Ort und Teilnehmer hätten nach Angaben der Veranstalter nicht besser gewählt sein können. Die Azhar-Universität gelte als das »Mecka der Gelehrten«. Der Großscheich Tantawi sei ihre höchste Instanz für die Erstellung verbindlicher Rechtsgutachten. Seine Entscheidungen gelte weltweit für Muslime als richtungweisend.

Bei der zwei Tage währenden Diskussion wäre es vor allem darum gegangen, ob es im Koran eine Aufforderung gebe, die Mädchen zu verstümmeln, so die Organisation Target. Diesbezügliche Überlieferungen seien als unglaubwürdig eingestuft worden, weil sie »dem Koran und der Ethik des Islam widersprechen.« Es sei darüber mit überraschender Offenheit gesprochen worden. Imam Tarafa Baghajati aus Österreich hätte das Recht der Frau auf eine erfüllte Sexualität dargelegt.

«Raub des weiblichen Gefühlszentrums»

Schwieriger sei die Klärung der Frage gewesen, ob wirklich sämtliche Formen der Verstümmelung weiblicher Genitalien als körperschädigend eingestuft werden können, so Target weiter. Getreu dem Gebot des Koran: »Im Zweifelsfalle befragt die Fachleute«, waren dazu fünf Mediziner eingeladen worden, Experten aus Ägypten, Äthiopien und Deutschland.

Internationale Gynäkologen zählten den Angaben zufolge die unsäglichen Begleiterscheinungen auf, die Verstümmelungen nach sich ziehen. Von lebenslangen Schmerzen und Traumata war die Rede, von Tod durch Verbluten und Schock. Ägyptische Ärzte sprachen von schwerem Raub des weiblichen Gefühlszentrums, der Seele und der Würde.

Die Menschrechtsorganisation Target kämpft seit 2000 vor allem gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen. Hauptbegründer ist der Abenteurer und Autor Rüdiger Nehberg. (nz)

 
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