Skandale bescheren US-Demokraten Wahlsieg
08.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Demokraten haben bei der Wahl zum ersten Mal seit 1994 die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus gewonnen: In aktuellsten Meldungen heißt es, dass sie mindestens 228 der 435 Sitze in der unteren Kammer des Parlaments erhalten werden.
Im Senat sind zwei Staaten mit knappen Ergebnissen noch nicht ausgezählt. Derzeit liegen Demokraten und Republikaner mit jeweils 49 Sitzen gleich auf. Ein Patt ist im Oberhaus aber nicht möglich: Bei Stimmengleichstand gibt das Votum von Vizepräsident Dick Cheney den Ausschlag, der der oberen Kammer zugleich vorsitzt.
Auch bei den zeitgleich abgehaltenen Gouverneurswahlen legten die Demokraten kräftig zu: Sie stellen nun in 28 der 50 Bundesstaaten den Regierungschef.
Dagegen liegen die Demokraten bei den Latinos und den Afroamerikanern traditionell vorne: Zuletzt lag ihr Anteil in diesen Bevölkerungsschichten bei 70 und 89 Prozent, wie aus der nach der Stimmabgabe durchgeführten Befragung hervorgeht.
Schweren Schaden fügten den Republikanern offenbar auch die Affären der Washingtoner Politik zu: Drei Viertel der Befragten gaben an, Skandale hätten eine «sehr» oder gar «extrem wichtige» Rolle bei ihrer Wahlentscheidung gespielt. Dabei hätten die unzufriedenen Wähler meist für die Demokraten gestimmt. Neben der Sex-Affäre des nicht wieder angetretenen Abgeordneten Mark Foley, der jugendliche Praktikanten im Parlament durch SMS mit sexuellem Inhalt belästigt hatte, zeigten sich die US-Bürger offenbar auch über die zweifelhafte Vergabe vieler Aufträge an Privatfirmen für Arbeiten im Irak enttäuscht.
Die fundamentalistische Rechte hat außerdem das Gefühl, Bush habe ein Versprechen nicht eingehalten: «Ein Gesetz gegen die Homo-Ehe sollte ein Bonbon des Präsidenten für die Evangelikalen werden», sagte der Professor für nordamerikanische Geschichte. Die Verfassung habe Bush dafür aber nicht ändern können. «Er tut nicht genug für uns», sei deshalb die aktuelle Stimmung unter den christlichen Anhängern der Republikaner, schilderte Krakau die Motive vieler Evangelikaler. (nz)

