netzeitung.deSkandale bescheren US-Demokraten Wahlsieg

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Anhänger der Demokraten bejubeln den Sieg bei den Kongresswahlen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anhänger der Demokraten bejubeln den Sieg bei den Kongresswahlen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Afroamerikaner und Latinos bleiben sichere Wähler der US-Demokraten. Den Republikanern gaben viele christliche Fundamentalisten diesmal nicht ihre Stimme - weil sie kein «Bonbon des Präsidenten» erhielten. Thema: US-Kongresswahl Wall Street verdaut Kongresswahlen US-Demokraten von Irak-«Bumerang» bedroht Prodi gibt Bush Schuld an US-Wahlschlappe US-Konservative bei Referenden abgestraft Neuauszählung in zwei Staaten möglich Schwarzenegger als Gouverneur wiedergewählt Computer-Chaos bei US-Kongresswahlen Demokraten dringen auf neuen Irak-Kurs Demokraten erobern Repräsentantenhaus Voigt erwartet Kurswechsel in US-Irak-Politik USA haben ihren ersten Muslim im Kongress

Erste Wählerumfragen zeigen, dass die US-Republikaner bei der Kongresswahl viele Stimmen von evangelikalen Christen eingebüßt haben. Nach Erkenntnissen der Forschungsgruppe National Election Pool vom Mittwoch, stimmten 70 Prozent der weißen evangelikalen Wähler für die Partei von Präsident George W. Bush. 2004 hatte der Anteil noch 74 Prozent betragen. Die Demokraten bauten ihren Stimmenanteil unter den konservativen Christen dagegen um vier Punkte auf knapp 30 Prozent aus, wie es hieß.

Die Demokraten haben bei der Wahl zum ersten Mal seit 1994 die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus gewonnen: In aktuellsten Meldungen heißt es, dass sie mindestens 228 der 435 Sitze in der unteren Kammer des Parlaments erhalten werden.

Im Senat sind zwei Staaten mit knappen Ergebnissen noch nicht ausgezählt. Derzeit liegen Demokraten und Republikaner mit jeweils 49 Sitzen gleich auf. Ein Patt ist im Oberhaus aber nicht möglich: Bei Stimmengleichstand gibt das Votum von Vizepräsident Dick Cheney den Ausschlag, der der oberen Kammer zugleich vorsitzt.

Auch bei den zeitgleich abgehaltenen Gouverneurswahlen legten die Demokraten kräftig zu: Sie stellen nun in 28 der 50 Bundesstaaten den Regierungschef.

Republikaner bei Latinos chancenlos
Laut National Election Pool, einem aus TV-Sendern und Tageszeitungen gebildeten Konsortium, liegen die Republikaner in der Gunst der regelmäßigen Kirchgänger nach wie vor vorne: 54 Prozent der Wähler dieser Gruppe hätten für die Partei des Präsidenten gestimmt, hieß es.

Dagegen liegen die Demokraten bei den Latinos und den Afroamerikanern traditionell vorne: Zuletzt lag ihr Anteil in diesen Bevölkerungsschichten bei 70 und 89 Prozent, wie aus der nach der Stimmabgabe durchgeführten Befragung hervorgeht.

Schweren Schaden fügten den Republikanern offenbar auch die Affären der Washingtoner Politik zu: Drei Viertel der Befragten gaben an, Skandale hätten eine «sehr» oder gar «extrem wichtige» Rolle bei ihrer Wahlentscheidung gespielt. Dabei hätten die unzufriedenen Wähler meist für die Demokraten gestimmt. Neben der Sex-Affäre des nicht wieder angetretenen Abgeordneten Mark Foley, der jugendliche Praktikanten im Parlament durch SMS mit sexuellem Inhalt belästigt hatte, zeigten sich die US-Bürger offenbar auch über die zweifelhafte Vergabe vieler Aufträge an Privatfirmen für Arbeiten im Irak enttäuscht.

«Er tut nicht genug für uns»
«Die Enttäuschung bei den fundamentalistischen Christen über die Skandale der Republikaner war groß», kommentierte der Berliner Wissenschaftler Knud Krakau den Ausgang der Wahl. «Dabei stellen sie einen wichtigen Wählerblock für die Partei», sagte er im Gespräch mit der Netzeitung.

Die fundamentalistische Rechte hat außerdem das Gefühl, Bush habe ein Versprechen nicht eingehalten: «Ein Gesetz gegen die Homo-Ehe sollte ein Bonbon des Präsidenten für die Evangelikalen werden», sagte der Professor für nordamerikanische Geschichte. Die Verfassung habe Bush dafür aber nicht ändern können. «Er tut nicht genug für uns», sei deshalb die aktuelle Stimmung unter den christlichen Anhängern der Republikaner, schilderte Krakau die Motive vieler Evangelikaler. (nz)