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Wähler vom US-Wahlkampf genervt

07. Nov 2006 20:48
Bush vor der Stimm-Abgabe in Crawford/Texas
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Den Hörer neben das Telefon zu legen, half nicht gegen die allgegenwärtige Wahlpropaganda - die Republikaner ließen an tausende Türen klopfen. Doch auch der «hässlichste Wahlkampf» treibt die US-Wähler an die Urnen.

Von Frank Brandmaier

Thema: US-Kongresswahl
Praktisch bis zur letzten Minute vor den US- Kongresswahlen prasselte die Flut von politischen Werbespots auf Amerikas Bürger ein, kaum ein Entkommen gab es vor ungebetenen Werbeanrufen von Wahlhelfern beider Parteien. Nie hat das Land einen kostspieligeren - und erbitterter geführten - Kampf um eine Zwischenwahl in den USA gesehen. Die Kandidaten sind erschöpft, zigtausende Wähler von der politischen Dauerdröhnung genervt, doch es geht um sehr viel: Die Abstimmung über die Zusammensetzung von Senat und Repräsentantenhaus ist vor allem auch ein Verdikt über Präsident George W. Bush und den höchst unpopulären Krieg.

Hintergrund:
Mit massiven Kampagnen suchten Demokraten, besonders aber Republikaner, noch in letzter Minute den im internationalen Vergleich eher trägen US-Wähler zu den Urnen zu bewegen. Eine hohe Beteiligung gilt vor allem Bushs Lager als Möglichkeit, die Dinge in ihrem Sinne zu richten. Denn die Aussichten für sie waren auf den letzten Metern vor der Abstimmung düster: Nach einer Umfrage des Senders CNN von Anfang November wollten 58 Prozent demokratisch wählen, nur 38 Prozent die Republikaner. Immerhin wird eine Beteiligung von etwa 42 Prozent erwartet - der höchste Wert, den eine Zwischenabstimmung seit 1982 sah. «Selbst der hässliche Wahlkampf hat nicht den Wunsch der Wähler dämpfen können, ihre Stimme abzugeben», sagte der Wahlexperte Curtis Gans der «New York Times».

Für die Parteistrategen könnte dabei der Schuss angesichts des ungehemmten Einsatzes ihrer Wahlkampfmaschinerie manches Mal nach hinten losgegangen sein: So immens war das Bombardement der Wähler mit Telefonanrufen, viele davon aufgezeichnete, so genannte «Robo- Calls», dass einige für die weniger nervige Gegenpartei stimmen wollen. «Die Robo-Calls haben tausende von Amerikanern krank gemacht», schreibt die «Washington Post». Den Hörer auszuhängen, brachte nichts: Allein die Republikaner ließen an viele Millionen Türen klopfen.

Krieg als Motivation

Präsident Bush indes, wohlwissend um die Bedeutung der Wahl für seine letzten beiden Amtsjahre, hämmerte am Montag in Florida seinen Zuhörern noch einmal ein, was die Republikaner für eine ihrer wichtigsten Trumpfkarten halten: Dass sie die nationale Sicherheit am besten gewährleisten könnten. «Wenn ihr an die Urnen geht, denkt daran - wir befinden uns im Krieg», schärfte er seinen Hörern ein, und er meinte den Kampf gegen den Terrorismus. Die Demokraten hingegen gaben ihre letzten Fernsehwerbe-Dollars für TV-Spots aus, um medial gegen den Irak-Krieg zu Felde zu ziehen.

Der Krieg im Zweistromland war denn auch vielen Motivation, die Stimme abzugeben. Die Bush-Regierung habe sie an die Urne gebracht, sagte die 59-jährige Nancy Eldridge aus Falls Church in Virginia - «ihre Inkompetenz, all das Schlechte an ihr, ihre Arroganz, und ich will, dass sich etwas ändert». Auch Mark Black trieb der Krieg im Irak in die Wahlkabine: «Ich war dagegen, dort einzumarschieren», sagte der 32-Jährige. «Wer noch mehr davon will, für den stimme ich nicht.»

Vor allem wird vom Wahlkampf 2006 vielen wohl die Schlammschlacht in Erinnerung bleiben, mit der um Stimmen gerungen wurde. «Ein zorniger Wahlkampf endet im noch zornigeren Ton», titelte die «Washington Post» am Dienstag. Die traditionelle Strategie, Kampagnen mit einer positiven Botschaft zu beenden, hätten die Parteien aufgegeben. «Sie ist von dem Kalkül abgelöst worden, dass Attacken auf den Charakter von Personen und Behauptungen über Korruption das Zünglein an der Waage sein werden» (dpa)

 
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