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Nordkorea testet erstmals Atombombe

09. Okt 2006 07:09, ergänzt 08:41
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il
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Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea nach eigenen Angaben unterirdisch eine Atomwaffe gezündet. Südkorea und Japan kündigten scharfe Reaktionen an.

Die kommunistische Führung Nordkoreas hat bestätigt, dass das Land seinen ersten Atomwaffentest erfolgreich vorgenommen hat. Das unterirdische Experiment sei mit «einheimischer Weisheit und Technologie 100-prozentig durchgeführt worden», meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Montagmorgen. Aus dem Versuchsgelände sei keine Radioaktivität ausgetreten.

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«Der Atomwaffentest ist ein historisches Ereignis, das unser Militär und unser Volk glücklich macht», hieß es bei KCNA. «Der Atomwaffentest wird dazu beitragen, den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der umliegenden Region zu erhalten.» Nordkorea habe sich stets eine so mächtige und zuverlässige Waffe zur Selbstverteidigung gewünscht.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Verteidigungsexperten, das Experiment habe um 10:36 Uhr Ortszeit (3:36 Uhr MESZ) in Hwaderi nahe der Stadt Kilju stattgefunden. Ein Beamter der Behörde zur seismischen Überwachung der Region bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass um diese Zeit eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,6 auf der Moment-Magnitude registriert worden sei.

Südkorea unterbricht Hilfstransporte

Südkoreas Präsident Roh Moo Hyan rief nach Angaben seines Sprechers seine Sicherheitsberater zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Demnach will das Land den Test nicht tolerieren und eine scharfe Antwort an Pjöngjang senden. Nordkorea solle sofort wieder dem Atomwaffen-Sperrvertrag beitreten, so der Sprecher.

Das Verteidigungsministerium in Seoul erhöhte den Alarmzustand bei den Streitkräften. Wie Yonhap unter Berufung auf Quellen in dem Ministerium berichtete, werden zudem die Hilfslieferungen an Nordkorea zunächst eingestellt.

Laut einem Sprecher des staatlichen Koreanischen Instituts für Geowissenschaften entsprach der Atomtest einer Sprengkraft von 550 Tonnen TNT. An der Börse in Seoul stürzten die Aktienkurse gegen Mittag (Ortszeit) kräftig ab. Der Kospi-Index gab zeitweise um 3,6 Prozent nach.

«Unverzeihlicher» Test

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, der sich am Montag zu Gesprächen mit Präsident Roh in Südkorea aufhielt, sprach von einem «unverzeihlichen» Vorgehen Nordkoreas. Sein Kabinettssekretär Yasuhisa Shiozaki sagte in Tokio, die Berichte Nordkoreas über den Erfolg des Tests seien eine Provokation. Die Stabilität in der Region werde dadurch ernsthaft gefährdet.

Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo hatte die Regierung umgehend einen Sonderausschuss eingesetzt, um eine angemessene Reaktion zu erarbeiten. Japan hat schon in der vergangenen Woche angekündigt, man werde sich für harte Sanktionen einsetzen, falls die Regierung in Pjöngjang die Appelle der internationalen Staatengemeinschaft ignoriere.

Russische Medien berichteten, Überwachungssysteme hätten «den Test einer Atomwaffe in Nordkorea entdeckt». Die Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte Generalleutnant Wladimir Werchowzew aus dem Verteidigungsministerium mit den Worten: «Es ist hundert Prozent sicher, dass es eine unterirdische Atomexplosion war.» Eine offizielle Bestätigung aus Moskau liegt bisher nicht vor.

Das chinesische Außenministerium protestierte gegen das Vorgehen Nordkoreas, das kategorisch abgelehnt wurde. Man hoffe, dass das Land bald an den Verhandlungstisch zurückkehren werde, hieß es.

USA sucht weitere Bestätigung

Die USA erklärten, mehrere Expertengremium seien zurzeit damit beschäftigt, die Meldung aus Nordkorea zu verifizieren. Erst dann werde eine offizielle Stellungnahme erfolgen, verlautete aus Regierungskreisen in Washington. Das amerikanische Amt für geologische Beobachtungen registrierte nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des von Pjöngjamg gemeldeten Tests eine Erschütterung von 4,2 auf der Moment-Magnitude.

Nordkorea hatte in der vergangenen Woche bekannt gegeben, es werde «zur Abschreckung einer möglichen Invasion der Vereinigten Staaten» erstmals eine Atomwaffe testen. Die Ankündigung löste weltweit Beunruhigung aus. Neben zahlreichen Staats- und Regierungschefs forderte auch der UN-Sicherheitsrat die Regierung in Pjöngjang auf, auf den Test zu verzichten. (nz)

 
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