Nordkorea testet erstmals Atombombe
09.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Verteidigungsexperten, das Experiment habe um 10:36 Uhr Ortszeit (3:36 Uhr MESZ) in Hwaderi nahe der Stadt Kilju stattgefunden. Ein Beamter der Behörde zur seismischen Überwachung der Region bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass um diese Zeit eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,6 auf der Moment-Magnitude registriert worden sei.
Das Verteidigungsministerium in Seoul erhöhte den Alarmzustand bei den Streitkräften. Wie Yonhap unter Berufung auf Quellen in dem Ministerium berichtete, werden zudem die Hilfslieferungen an Nordkorea zunächst eingestellt.
Laut einem Sprecher des staatlichen Koreanischen Instituts für Geowissenschaften entsprach der Atomtest einer Sprengkraft von 550 Tonnen TNT. An der Börse in Seoul stürzten die Aktienkurse gegen Mittag (Ortszeit) kräftig ab. Der Kospi-Index gab zeitweise um 3,6 Prozent nach.
Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo hatte die Regierung umgehend einen Sonderausschuss eingesetzt, um eine angemessene Reaktion zu erarbeiten. Japan hat schon in der vergangenen Woche angekündigt, man werde sich für harte Sanktionen einsetzen, falls die Regierung in Pjöngjang die Appelle der internationalen Staatengemeinschaft ignoriere.
Russische Medien berichteten, Überwachungssysteme hätten «den Test einer Atomwaffe in Nordkorea entdeckt». Die Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte Generalleutnant Wladimir Werchowzew aus dem Verteidigungsministerium mit den Worten: «Es ist hundert Prozent sicher, dass es eine unterirdische Atomexplosion war.» Eine offizielle Bestätigung aus Moskau liegt bisher nicht vor.
Das chinesische Außenministerium protestierte gegen das Vorgehen Nordkoreas, das kategorisch abgelehnt wurde. Man hoffe, dass das Land bald an den Verhandlungstisch zurückkehren werde, hieß es.
Nordkorea hatte in der vergangenen Woche bekannt gegeben, es werde «zur Abschreckung einer möglichen Invasion der Vereinigten Staaten» erstmals eine Atomwaffe testen. Die Ankündigung löste weltweit Beunruhigung aus. Neben zahlreichen Staats- und Regierungschefs forderte auch der UN-Sicherheitsrat die Regierung in Pjöngjang auf, auf den Test zu verzichten. (nz)

