netzeitung.dePolens Regierungschef attackiert Köhler

 Herausgeber: netzeitung.de

Jaroslaw Kaczynski (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jaroslaw Kaczynski
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

An der Rede von Bundespräsident Köhler beim Tag der Vertriebenen hat der polnische Regierungschef Kaczynski heftigen Anstoß genommen. Köhler hatte es als notwendig bezeichnet, die Erinnerung an die Vertreibungen wach zu halten.

Der polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski hat Äußerungen von Bundespräsident Horst Köhler beim Tag der Vertriebenen als «beunruhigend» kritisiert.

Köhler hatte auf dem Treffen in Berlin für verstärkte Bemühungen um eine Verständigung zwischen Polen und Deutschen geworben. Zugleich unterstütze er die Bestrebungen der Großen Koalition, in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen zu gründen. Die Erinnerung an die Vertreibungen sei notwendig, so Köhler, «weil die Kultur und die Geschichte der Vertriebenen zu unserer Identität gehört».

Die Teilnahme des Bundespräsidenten an dem Treffen am Samstag in Berlin bezeichnete Kaczynski daraufhin als «eines der beunruhigenden Ereignisse, die in jüngster Zeit in Deutschland stattfinden». Es gebe in Deutschland eine «große, vom Staat unterstützte Gruppierung, die sich unaufhörlich auf jene polnischen Gebiete bezieht, die einst zum Deutschen Reich gehörten», sagte der nationalkosnervative Regierungschef im polnischen Zakopane.

Würde Polen sich ähnlich mit seinen einstigen Territorien im heutigen Litauen, Weißrussland und der Ukraine befassen, würde es international schwere Vorwürfe geben und der Beitritt zur Nato wäre womöglich verweigert worden, erklärte Kaczynski.

Kaczynski fordert Gleichbehandlung
«Wir wollen ganz einfach, dass alle gleich behandelt werden.» Eine Weile sei der Eindruck entstanden, dass sich die Vertriebenenverbände geändert hätten, sagte Kaczynski. «Aber dann kam Frau Steinbach und es wurde ein neues Ausmaß erreicht.»

In Polen stößt die von Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach in Berlin organisierte Ausstellung «Erzwungene Wege» auf scharfe Kritik. Nicht nur Regierungspolitiker in Polen, das im Zweiten Weltkrieg zu den am meisten unter der deutschen Besatzung leidenden Länder gehörte, fürchten, Deutschland versuche die Geschichte des Zweiten Weltkriegs durch Überbetonung des Leids der Vertriebenen zu relativieren. (nz)