Auslandspresse: Gefährliches Pokerspiel Irans
30. Aug 2006 12:16
 |  Irans Präsident Ahmadinedschad | Foto: AP |
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Im Atomstreit lässt sich der Iran nicht durch Sanktions-Drohungen einschüchtern, kommentiert die Auslandspresse Teherans Absage an das UN-Ultimatum. Für Ahmadinedschad werde aber immer schwieriger, sich im rechten Moment noch zurückzuziehen.
«Le Figaro»: Iran sät Streit
«Die iranische Antwort ist geschickt, aber nicht sehr originell. Sie reicht aus, um Streit zwischen den Großmächten zu säen. Die Amerikaner werden nach Sanktionen rufen, an die keiner glaubt, während die Chinesen und Russen sich erneut gegen Strafen wenden werden, die ihre Interessen im Iran schädigen. Franzosen und Europäer werden zwischen diesen Lagern hin- und herschwanken und sich zum Herold eines Konsensus aufschwingen, den es nicht gibt. Angesichts der Spannungen im Nahen Osten haben sie gute Gründe für die Einschätzung, dass man das iranische Gesprächsangebot nicht ausschlagen kann. Wieder einmal ist Teheran dabei, ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen: eine weitere Frist, um seine Zentrifugen arbeiten zu lassen und sich dem Augenblick zu nähern, an dem die Islamische Republik über die Mittel zum Bau der Atombombe verfügt.»
«Kurier»: Teheran durch Libanon-Krieg bestärkt
«Das Recht auf die eigenständige Urananreicherung (die letztlich bis hin zur Atombombe führen kann) werde man sich nie und von niemandem nehmen lassen, lautet das trotzige Leitmotiv des Iran. (...) Der Libanon-Krieg dürfte Teheran in dieser Gewissheit nur bestärkt haben. Einen neuerlichen Waffengang im Nahen Osten wünscht sich so schnell keiner, Israel und die USA eingeschlossen. Und auch mögliche Wirtschaftssanktionen (...) schrecken den Kreis um Präsident Ahmadinejad wenig. Denn zum einen hat der Iran mit seinen riesigen Öl- und Gasvorkommen die Finger am Rohstoff-Drücker. Zum anderen wirkt die Drohung mit wirtschaftlicher Isolierung nur auf diejenigen, die tatsächlich Interesse an Zusammenarbeit mit der westlichen Welt haben. Und im Falle Ahmadinejads und seiner religiös-konservativen Anhänger darf dies bezweifelt werden.»
«Corriere della Sera»: Robin Hood Teherans
«Er scheint sich immer am wohlsten zu fühlen, wenn er über Amerika und Atomenergie spricht. In einer Ecke scheint das Porträt des Ajatollah Chomeini über ihn zu wachen, aber er schaut ihn etwas düster an. Ahmadinedschad, der im Oktober 50 wird, hat die Hürde des ersten Jahres als Präsident genommen. Er gewann die Wahl als 'Robin Hood' Teherans und versprach, von den Mächtigen zu nehmen (...), um den Armen zu geben. Welch ein Paradox: Ein Ex-Bürgermeister, der in der Wahlkampagne fast nie über Außenpolitik gesprochen hatte, leitet seit einem Jahr (...) eine der delikatesten internationalen Krisen in der Geschichte seines Landes.»
«Basler Zeitung»: Iran droht alles zu verlieren
«Im Moment fällt Präsident Ahmadinedschad das Pokern leicht, weiss er doch, dass der Westen wahrscheinlich keine starken Karten in der Hand hat: Allzu unsicher ist, ob Russland und China Sanktionen unterstützen. Doch wie beim Pokern steigt ständig der Einsatz. Für Ahmadinejad wird es immer schwerer, sich noch im rechten Moment zurückzuziehen. Andererseits wird die Zeit kommen, da es für die andere Seite nicht mehr so klar ist, dass Iran noch keine Bombe bauen kann. Werden dann die USA und Israel in Fatalismus verfallen und die iranische Bombe akzeptieren, wie mehr oder weniger im Fall Nordkoreas? Wohl eher nicht. Die Welt könnte sich tatsächlich verändern, wenn auch nicht unbedingt so, wie Ahmadinedschad es sich vorstellt. Jeder Pokerspieler überreizt einmal und verliert dann mit einem Schlag alles. Es wäre besser, Teheran würde doch noch die Zugeständnisse annehmen, die es dem Westen abgetrotzt hat, und das Spiel beenden.»
«La Repubblica»: Erneute Provokation von Ahmadinedschad
Die römische Zeitung «La Repubblica»: «Zwei Tage vor Ablauf des UN-Ultimatums hat sich Präsident Ahmadinedschad die Gelegenheit nicht nehmen lassen, um erneut zu provozieren. (...) Er fordert ein Fernsehduell mit dem amerikanischen Präsidenten. (...) Neben dem Vertreter der globalen Supermacht will Ahmadinedschad sich als Sprecher der islamischen Welt profilieren. Diesem Ziel hat er sich seit den ersten Tagen seiner Präsidentschaft gewidmet, indem er Israel angriff und den Holocaust bezweifelte. Und diesem Ziel ordnet er auch seine Nuklearpolitik unter.» (nz)