Deckname «Einwanderer»: Befehligt ein Asiate Al-Qaeda im Irak? :
Anschlag von Zarqawi-Nachfolger befürchtet
14. Jun 2006 14:37
 |  Terroristenführer Zarqawi | Foto: dpa |
|
Wer ist der neue Führer von Al Qaeda im Irak? Selbst Experten ist Muhadschir, der angebliche Zarqawi-Nachfolger, unbekannt. Einige haben allerdings einen Verdacht, wer sich dahinter verbergen könnte.
Als am Montag auf einer von Al Qaeda häufig genutzten Internetseite Abu Hamsa al Muhadschir als Nachfolger des getöteten Terroristenführers Zarqawi genannt wurde, war bei Sicherheitsexperten das Erstaunen groß: Der Name war bislang auf keiner Fahndungsliste aufgetaucht.
Ein anderer Name, den viele Fachleute stattdessen erwartet hatten, ist Abu Ajjub al Masri. Und da es wahrscheinlich ist, dass es sich bei Abu Hamsa al Muhadschir um ein Pseudonym handelt, wird nicht ausgeschlossen, dass Muhadschir in Wirklichkeit Masri ist. Der in Ägypten geborene Spezialist für den Bau von Autobomben soll Zarqawi erstmals 2001 in einem Ausbildungslager von Al Qaeda in Afghanistan getroffen haben. Seit Februar 2005 wurde er von den USA als dessen enger Vertrauter geführt.
Möglicherweise ein Asiat
Auch in dem Beinamen «Muhadschir» - arabisch für Einwanderer - werden Hinweise auf die Identität des neuen Terrorführers gesucht. Als «Muhadschir» würden häufig Muslime bezeichnet, die einst mit dem Propheten Mohammed aus dessen Geburtsstadt Mekka nach Medina auszogen, berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Dass in Pakistan auch aus Indien stammende Muslime so heißen, könnte darauf hindeuten, dass Zarqawis Nachfolger aus Asien kommt. Andere Interpretationen legen nahe, dass es sich um einen Araber handelt, der erst vor kurzem in den Irak gekommen ist. Ob Muhadschir tatsächlich zum Nachfolger Zarqawis ernannt wurde, ist indes ungewiss. Denn weitere Namen sind noch immer im Gespräch, darunter Raschid Baghdadi und Abdul Rahman al Iraki. Es gibt geteilte Meinungen darüber, ob es sich dabei um einen Machtkampf oder einen gezielten Ablenkungsversuch handelt. Abdul Rahman al Iraki gilt als moderater als Zarqawi. Den aus der irakischen Hauptstadt stammenden Raschid Baghdadi hat Zarqawi erst vor wenigen Monaten mit Führungsverantwortung betraut.
«Der Tag der Rache ist nahe»
Wer auch immer sich hinter dem Namen Muhadschir verbirgt – eine Drohung im Internet war bereits am Dienstag mit seinem Namen unterschrieben. «Freut euch nicht, dass ihr Zarqawi getötet habt. Er hat Löwen hinterlassen, die unter ihm trainiert haben», ging aus der Botschaft hervor, deren Authentizität nicht geklärt werden konnte. Die Amerikaner und ihre irakischen Alliierten seien nicht vor ihm sicher. «Der Tag der Rache ist nahe und eure kräftigen Türme in der Grünen Zone werden euch nicht schützen», hieß es weiter. In der stark gesicherten Grünen Zone in Bagdad befinden sich Institutionen der irakischen Regierung, Botschaften und eine US-Militärbasis. Sicherheitsbeamte in den USA und im Irak befürchten, dass Zarqawis Nachfolger seine Drohungen schon in Kürze umsetzen wird. «Wir sind besorgt darüber, was der nächste Mann tun wird, um sich einen Namen zu machen», sagte ein Mitglied der irakischen Militärführung dem US-Magazin «Time».(nz)