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Kabila Favorit bei Kongo-Wahl

31. Mai 2006 20:48
Soldaten im Kongo
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Kongos Staatschef Kabila wird von vielen als Marionette mächtiger Geschäftsleute aus der rohstoffreichen Provinz gesehen. Dennoch gilt er als Favorit bei der für den 30. Juli geplanten Wahl, die auch deutsche Soldaten schützen sollen.

Von Ulrike Koltermann

Er fährt gerne Motorrad, freut sich auf seine bevorstehende Hochzeit und behauptet, dass es ihm nichts ausmachen würde, wenn er die Präsidentschaftswahl verlöre. «Dann widme ich mich eben der Entwicklung meines Landes im Privatsektor», meint Joseph Kabila, mit 35 Jahren der jüngste Staatschef Afrikas. Die Macht fiel ihm vor fünf Jahren zu, als sein Vater Laurent-Desiré von einem Leibwächter ermordet wurde.

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Die ersten Mehrparteienwahlen seit vier Jahrzehnten sollen zusätzlich zur UN-Mission von einer europäischen Truppe unter deutscher Führung abgesichert werden. Der Bundestag will am Donnerstag über den Einsatz von schätzungsweise 780 Soldaten entscheiden.

Viel Zustimmung

Kurz vor Beginn des Wahlkampfs waren in der Hauptstadt Kinshasa noch mehr Plakate mit dem Porträt des Vaters als mit dem Porträt des Sohnes zu sehen. Kabila wird von vielen als Marionette mächtiger Geschäftsleute aus der rohstoffreichen Provinz Katanga gesehen, die seit Jahren das Land ausplündern. Er gilt dennoch als Favorit bei der für den 30. Juli geplanten Wahl.

Selbst in abgelegenen Regionen, die besonders unter dem jahrelangen Krieg gelitten haben, gibt es erstaunlich viel Zustimmung für «Mzee» (den Alten), wie auch der junge Kabila genannt wird. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die Erfahrung mit Demokratie im Kongo höchst begrenzt sind und viele schon aus Angst vor Repressalien den Amtsinhaber wählen werden.

Rolle einer Opposition kaum bekannt

Für das zentralafrikanische Land, das etwa so groß ist wie Westeuropa, aber gerade mal 500 Kilometer asphaltierte Straßen hat, ist die bevorstehende Wahl ein historisches Ereignis. «Die Menschen haben ungefähr so hohe Erwartungen wie kurz vor der Unabhängigkeit. Darin liegt sicher ein Gefahrenpotenzial», meint Ross Mountain, UN-Beauftragter für die humanitäre Lage im Kongo. Der Bürgerkrieg mit knapp vier Millionen Toten wurde zwar offiziell 2002 beendet, doch von landesweitem Frieden und Wiederaufbau kann noch keine Rede sein.

An der Übergangregierung unter Kabila sind ehemalige Kriegsgegner beteiligt, die nach Ansicht von Menschenrechtsgruppen eigentlich als Kriegsverbrecher angeklagt werden müssten. Fraglich ist, wie sie auf eine mögliche Niederlage reagieren werden. «Die Rolle der Opposition ist hier kaum bekannt», meint ein Diplomat in Kinshasa. Viele führende Politiker halten sich nach wie vor ihre eigenen Milizen. Die gefürchtete Präsidentengarde Kabilas umfasst etwa 10 000 Soldaten.

Massenproteste wahrscheinlich

Ob es am Wahltag selbst zu Ausschreitungen kommt, hängt vor allem von Etienne Tshisekedi ab, dem Anführer der größten Oppositionspartei UDPS (Union für Demokratie und sozialen Fortschritt). Der 73-Jährige, der schon in den 80ern unter dem damaligen Diktator Mobutu Sese Seko demokratische Reformen gefordert hatte, lehnte nach einigem Zögern eine Kandidatur ab und rief zum Wahlboykott auf.

Politische Beobachter halten es für gut möglich, dass seine Anhänger Massenproteste veranstalten, bei denen es leicht zu Gewalt kommen könnte. Viele Kongolesen hoffen allerdings darauf, dass die Präsenz gut ausgestatteter europäischer Soldaten mögliche Unruhestifter abschrecken wird. (dpa)

 
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