netzeitung.deMI5 wusste von Londoner Attentätern

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Bei den Londoner Anschlägen wurden 50 Menschen getötet und 700 verletzt (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bei den Londoner Anschlägen wurden 50 Menschen getötet und 700 verletzt
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Londoner Terror-Anschläge vom vergangenen Sommer hätten möglicherwiese verhindert werden können. Einem Bericht zufolge waren die Attentäter zuvor Geheimdienstagenten aufgefallen.

Die verheerenden Terroranschläge im vergangenen Sommer in London hätten möglicherweise durch einen gemeinsamen Einsatz von Polizei- und Geheimdienstkräften verhindert werden können. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung des Geheimdiensts-Ausschusses des britischen Parlaments. Danach waren zwei der vier Selbstmordattentäter des 7. Juli, die 52 Menschen mit sich in den Tod rissen und 700 andere verletzten, den Anti-Terrorfahndern des Geheimdienstes MI5 zuvor aufgefallen.

Wegen ungenügender Ermittlungskapazitäten und «anderer drängender Aufgaben» seien jedoch nur «begrenzte» Versuche zur Klärung von Aktivitäten der beiden späteren Rucksackbomber unternommen worden. Zudem kam am Donnerstag durch den Parlamentsbericht ans Licht, dass die Ermittler auch Anfangserkenntnisse über einen weiteren der vier Attentäter gewonnen hatten, denen zunächst nicht nachgegangen wurde.

Aus einer am selben Tag veröffentlichten separaten Untersuchung der Regierung geht zudem hervor, dass die Anschläge mit vergleichsweise geringen technischen Mitteln sowie mit Explosivstoffen im Gesamtwert von lediglich 8000 Pfund (rund 12 000 Euro) ausgeführt wurden. Keine Beweise fanden die Ermittler für den Verdacht, dass die Londoner Selbstmordattentäter von dem Terrornetzwerk Al Qaeda gesteuert wurden.

Von bin Laden inspiriert
Allerdings hätten sich die vier muslimischen Männer, die ihre Rucksackbomben in drei U-Bahnen und einem Bus zündeten, vom Gedankengut des Terroristen Osama bin Laden inspirieren lassen, hieß es. Sie hätten zudem Verbindungen mit religiösen Extremisten in Pakistan gehabt.

«Ihr Motiv scheint aus einer Mischung von Verärgerung über angenommene Ungerechtigkeiten des Westens gegen Muslime und einem Wunsch nach Märtyrerschaft bestanden zu haben», sagte Innenminister John Reid bei der Vorstellung des Regierungsberichts im Unterhaus. Die Opposition kritisierte den Bericht. Er werfe «mehr Fragen auf, als er Antworten gebe», sagte der Innenexperte der
Konservativen Partei, David Davies.

Es habe «eindeutig ein erhebliches Versagen» der Geheimdienste gegeben, sagte Davies. So sei unbeantwortet geblieben, ob dem MI5 nicht vielleicht bekannt gewesen war, dass der spätere Haupttäter, Mohammed Sidique Khan, Abschiedsbotschaften an seine Familie verfasste. Dies wäre eine Hinweis auf Attentatsabsichten gewesen, denen hätte nachgegangen werden müssen.

Der Geheimdienst habe zur Untersuchung der damaligen Geschehnisse nur eine «begrenzte Zahl» von Ermittlern abstellen können, da der Kampf zur Abwehr aktueller Gefahren weitergehe, erklärte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair.

Bei den Familien der Hinterbliebenen und den damals Verletzten stießen die Berichte auf ein unterschiedliches Echo. Mehrere Angehörige warfen den Behörden vor, wenig Neues herausgefunden zu haben. Der Fahrer des ausgebombten Busses, George Psaradakis, sagte: «Wenn jemand sich selbst umbringen und anderen schaden will, kann ihn niemand davon abhalten.» (nz)