MI5 wusste von Londoner Attentätern
11.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Aus einer am selben Tag veröffentlichten separaten Untersuchung der Regierung geht zudem hervor, dass die Anschläge mit vergleichsweise geringen technischen Mitteln sowie mit Explosivstoffen im Gesamtwert von lediglich 8000 Pfund (rund 12 000 Euro) ausgeführt wurden. Keine Beweise fanden die Ermittler für den Verdacht, dass die Londoner Selbstmordattentäter von dem Terrornetzwerk Al Qaeda gesteuert wurden.
«Ihr Motiv scheint aus einer Mischung von Verärgerung über angenommene Ungerechtigkeiten des Westens gegen Muslime und einem Wunsch nach Märtyrerschaft bestanden zu haben», sagte Innenminister John Reid bei der Vorstellung des Regierungsberichts im Unterhaus. Die Opposition kritisierte den Bericht. Er werfe «mehr Fragen auf, als er Antworten gebe», sagte der Innenexperte der
Konservativen Partei, David Davies.
Es habe «eindeutig ein erhebliches Versagen» der Geheimdienste gegeben, sagte Davies. So sei unbeantwortet geblieben, ob dem MI5 nicht vielleicht bekannt gewesen war, dass der spätere Haupttäter, Mohammed Sidique Khan, Abschiedsbotschaften an seine Familie verfasste. Dies wäre eine Hinweis auf Attentatsabsichten gewesen, denen hätte nachgegangen werden müssen.
Der Geheimdienst habe zur Untersuchung der damaligen Geschehnisse nur eine «begrenzte Zahl» von Ermittlern abstellen können, da der Kampf zur Abwehr aktueller Gefahren weitergehe, erklärte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair.
Bei den Familien der Hinterbliebenen und den damals Verletzten stießen die Berichte auf ein unterschiedliches Echo. Mehrere Angehörige warfen den Behörden vor, wenig Neues herausgefunden zu haben. Der Fahrer des ausgebombten Busses, George Psaradakis, sagte: «Wenn jemand sich selbst umbringen und anderen schaden will, kann ihn niemand davon abhalten.» (nz)

