netzeitung.deItaliens Linke singt «Bye, bye Berlusconi»

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Selbst trainierte Krähen warben für Berlusconi - offenbar ohne großen Erfolg (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Selbst trainierte Krähen warben für Berlusconi - offenbar ohne großen Erfolg
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Italiens Linke ist nach den ersten Hochrechnungen in Siegerlaune. Berlusconi zog sich erst einmal zurück - allein das ist schon ein Zeichen der Veränderung. Doch zur Feier hat Prodis Bündnis vielleicht zu früh aufgerufen.

Von Peer Meinert

Zuletzt muss es Silvio Berlusconi selbst gespürt haben, dass seiner Zeit als italienischer Ministerpräsident das Ende droht. Der ansonsten chronisch optimistische Berlusconi wurde immer giftiger, seine Reden immer aggressiver. Wahlkampf wurde zur Wählerbeschimpfung, potenzielle Linkswähler wurden kurzerhand zu «Volldeppen» erklärt - so dürfte man keine Unentschlossenen auf seine Seite ziehen. Nachdem sich die drohende Niederlage am Montagabend abzeichnete, ließ sich der Mann, der ansonsten keine Kamera auslässt, erst einmal nicht blicken. Zwar lagen noch keine 100-prozentig verlässlichen Daten vor, doch Italiens Linke schwelgte am Abend in Siegerlaune: «Bye, bye Berlusconi» und jubelte: «Wir haben gewonnen.»

Gleich nach den ersten bekannt gewordenen Zahlen rief sie zur Siegesfeier in Rom auf. Zwar flochten Spitzenpolitiker wie Ex- Kommunistenchef Massimo D'Alema geschickt den Konjunktiv in ihre Rede ein, dennoch sprachen sie euphorisch von einer «historischen Wendung». Fünf Jahre lang hatte die Opposition unter der erdrückenden «Doppelmacht» Berlusconis als TV-Unternehmer und Politiker gelitten, jetzt fiel die Anspannung ab: Die Furcht war zuvor groß gewesen, dass die Steuergeschenke, die Berlusconi in den letzten Tagen großzügige verteilte, nicht doch noch Wirkung erzielen könnten.

Bunte Mischung im «Prodi-Boot»
Niemand wusste, ob Prodis Rechnung wirklich aufgeht: Sein buntes Bündnis aus Kommunisten und Grünen, aus Linksdemokraten und Liberalen hatte im Kern nur ein Ziel, nur eine Botschaft: «Berlusconi muss weg.» Das war die Stärke seines Wahlbündnisses - das ist aber vermutlich auch die Schwäche seiner möglichen Regierung.

Es ist Prodis zweiter Anlauf, sein zweiter Versuch, schon einmal war er Ministerpräsident, von 1996 bis 1998, hatte eine bunt gewürfelte Parlamentsmehrheit hinter sich - und wurde von den Kommunisten gestürzt, derselben Partei mit demselben Vorsitzenden Fausto Bertinotti, der auch diesmal wieder im «Prodi-Boot» sitzt und sagt: «Ich vertraue der Regierung Prodi, Italien wird nach den nächsten fünf Jahren anders aussehen als heute.» Wie ein 100- prozentiger Treueschwur klingt das nicht, dass der Professor und der Kommunist die gleichen Veränderungen im Auge haben, ist eher unwahrscheinlich.

Ängstlicher Blick nach Berlin
Prodi, der bedächtige Professor, hat nach den ersten Prognosen und Rechnungen die Wahlen gewonnen, aber wie klar, wie sicher die Mehrheit auch im Senat ausfällt, schien im Laufe des frühen Abends noch nicht völlig geklärt. Vor der Wahl hatten manche Experten ängstlich in Richtung Berlin geschaut, eine «gespaltene Mehrheit» in Senat und Abgeordnetenhaus wäre für viele ein Albtraum. Vielleicht war es kein Zufall, dass Berlusconi schon vor dem Urnengang einmal durchschimmern ließ, dass er auch im Falle einer Niederlage weiter in der römischen Politikszene bleiben will.

Dabei braucht das Land entschlossenes Handeln. Italien rutscht immer tiefer in die Krise. Kaum ein anderes der alten EU-Länder ist so schlecht für die Herausforderungen der Globalisierung gerüstet. Italien beglückt die Welt mit schicken Kleidern, eleganten Schuhen und ähnlichen Low-Tech-Produkten, in Sachen High-Tech hechelt es aber hoffnungslos hinterher. Auch die «Hausaufgaben» der sozialen Reform hat das Land bisher nicht gemacht - die Linksregierungen hatte das in ihrer fünfjährigen Regierungszeit (1996-2001) ebenfalls nicht angepackt. Und auch der nette Wirtschaftprofessor Prodi hat sich zu diesem Thema noch nicht recht zu Wort gemeldet. (dpa)