Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

Christen-Prozess: Afghanistan über deutschen Protest empört: 

Afghanistan über deutschen Protest empört

22. Mrz 2006 07:44, ergänzt 09:39
Abdul Rahman
Bild vergrößern
Afghanistan reagiert empört auf den Protest aus Deutschland gegen ein Justizverfahren. Der Übertritt eines Mannes vom Islam zum Christentum stellt das Land vor ein Problem.

Die afghanische Regierung hat die scharfe Kritik aus Deutschland und Europa an dem Prozess gegen den zum Christentum übergetretenen Abdul Rahman empört zurückgewiesen. Wirtschaftsminister Amin Farhang betonte in einem Gespräch mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung», die «hitzige und emotionale Reaktion deutscher Politiker ist überzogen und hat bei den Afghanen für Unmut gesorgt». Unterdessen forderten deutsche Politiker angesichts der in dem Prozess drohenden Todesstrafe erneut eine Änderung der afghanischen Gesetze. Die USA bezeichneten das Verfahren als Test für die Demokratie und die Verfassung in Afghanistan.

Mehr in der Netzeitung:
Die afghanische Verfassung schreibe Glaubensfreiheit fest, sagte der Staatssekretär im US-Außenministerium Nicholas Burns am Dienstag in Washington nach einem Gespräch mit dem afghanischen Außenminister Abdullah Abdullah. Rahman müsse das Recht haben, seine Religion ohne Verfolgung zu praktizieren. Wenn dies befolgt werde, dann sei der Angeklagte natürlich unschuldig. Die USA verfolgen nach den Worten von Burns den Fall sehr aufmerksam. Allerdings wolle sich Washington nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen.
Kritik kam auch aus Italien. Außenminister Gianfranco Fini erklärte, er habe den afghanischen Botschafter in Rom zum Gespräch einbestellt.

Fanatiker fordern Todesstrafe

Außenminister Abdullah versicherte, dass die Richtschnur für die Justiz die Verfassung sei. Er hoffe deshalb, dass es ein zufrieden stellendes Ergebnis geben werde. Abdullah sprach von einem sehr heiklen Problem.

Der Prozess gegen Abdul Rahman sei ein offenes Verfahren, sagte Wirtschaftsminister Farhang. «Wir wissen nicht, ob der Beschuldigte überhaupt zurechnungsfähig ist», gab er zu bedenken. Nachdem der Mann von seinem Vater angezeigt wurde, habe die Staatsanwaltschaft ermitteln müssen. «Das ist afghanisches Recht», so Farhang weiter. Jetzt werde die Rechtslage geprüft. «Natürlich fordern Fanatiker in solchen Fällen die Todesstrafe, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie gegen Rahman verhängt wird».

Empörung in Deutschland

Mit Blick auf die deutschen Reaktionen zeigte sich Farhang empört. «Wir mischen uns auch nicht in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik oder gar in laufende Rechtsverfahren ein», sagte er. «Wenn deutsche Politiker indirekt mit dem Abzug der Bundeswehr drohen, dann grenzt das an eine Art von Erpressung.»

Die drohende Todesstrafe gegen einen zum Christentum übergetretenen Afghanen hatte zuvor für Empörung in Deutschland gesorgt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der «Frankfurter Rundschau», er verfolge den Fall «mit großer Sorge». Er werde sich - falls nötig - auch persönlich einschalten. Die Religionsfreiheit sei sowohl in der afghanischen Verfassung als auch in der internationalen Menschenrechtskonvention garantiert, die Afghanistan unterzeichnet habe.

Dem 40-jährigen Abdul Rahman, der neun Jahre lang in Deutschland lebte, droht die Todesstrafe, weil er zum Christentum übergetreten ist. Nach den strengen Regeln der islamischen Rechtsprechung, der Scharia, wird dies als Verbrechen bewertet und mit dem Tod bestraft. Rahman kehrte aus Deutschland in seine Heimat zurück, um sich um das Sorgerecht für seine beiden bei den Großeltern lebenden Töchter zu bemühen. (nz)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Einigung mit Wenn und Aber: 
US-Truppenabzug aus Irak bis 2011 vereinbart
Wiederaufbau im Irak: 
Ein Geistergefängnis als Symbol
 
Irische Demonstranten verlangen Respekt für ihr Nein: 
Sarkozy ganz kleinlaut in Dublin
 
Entführung in der Provinz Parwan: 
Deutsche Geisel in Afghanistan befreit
 
Nach Gefangenenaustausch in Nahost: 
Hamas will deutsche Vermittler
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.