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Ex-Muslim droht nach Religionswechsel Tod

20. Mrz 2006 15:49
Usingen: Kirche (l.) neben Moschee
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Ein ehemaliger Muslim in Afghanistan muss damit rechnen, wegen seiner Konvertierung zum Christentum hingerichtet zu werden. Sollte er seinem neuen Glauben nicht abschwören, bleibe ihm keine andere Wahl, sagte sein Richter.

Einem vom Islam zum christlichen Glauben übergetretenen Mann droht in Afghanistan dafür die Todesstrafe. Der heute 40 Jahre alte Abdul Rahman sei vor 15 Jahren zum Christentum übergetreten, sagte der zuständige Richter Ansarullah Mawlavizada am Montag in Kabul. «Ich habe ihn aufgefordert, zum Islam zurückzukehren, aber er hat leider abgelehnt.» Sollte Rahman dabei bleiben, habe das Gericht keine andere Wahl, als ihn zum Tode zu verurteilen.

Die Verfassung des offiziell islamischen südasiatischen Staates räumt religiösen Minderheiten zwar das Recht ein, ihre Religion zu praktizieren, Muslime müssen demnach aber strikt der Lehre des Islam folgen. Das schließt eine Konvertierung aus. Der gebürtige Muslim Rahman, der Mitte vergangenen Jahres aus Deutschland zurückgekehrt war, hatte am vergangenen Donnerstag vor Gericht gesagt: «Ich bin Christ und glaube an Jesus Christus.» Staatsanwalt Abdul Wasi forderte das Gericht zu einer harten Strafe auf.

Richter Mawlavizada sagte, das Gericht lasse Psychiater die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten prüfen. Man wolle Rahman zudem Zeit geben, sich um einen Rechtsbeistand zu kümmern. Nach der afghanischen Verfassung könnte Rahman bei einem Urteil in die Berufung gehen. Rahman war Anfang Februar in Kabul festgenommen worden, nachdem Mitglieder seiner eigenen Familie ihn angezeigt hatten.

Zwar wird davon ausgegangen, dass unter dem Ende 2001 gestürzten Regime der radikal-islamischen Taliban hunderte Afghanen heimlich zum Christentum konvertierten. Rahmans Fall ist aber der erste, bei dem der Beschuldigte nicht nur vor Gericht einräumt, konvertiert zu sein, sondern sich auch weigert, zum Islam zurückzukehren.

Der Fall könnte den vom Westen gestützten afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Bedrängnis bringen. Sollte Rahman durch alle Instanzen hinweg zum Tode verurteilt werden, müsste Karsai selber die Anordnung zur Hinrichtung unterzeichnen. Religiöse Fundamentalisten in Afghanistan dürften ihn drängen, an Rahman ein Exempel zu statuieren. Der Westen, der das kriegszerstörte Land und Karsais Regierung maßgeblich finanziert, und Menschenrechtsgruppen dürften dagegen Druck auf den Präsidenten ausüben, genau das nicht zu tun. (nz)

 
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