netzeitung.deWeißrussen durch Massen-SMS beunruhigt

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Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch auf einem Wahlplakat (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch auf einem Wahlplakat
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Alle Kunden des größten weißrussischen Mobilfunkbetreibers haben am Samstag die gleiche SMS erhalten: «Provokateure planen Blutvergießen». Die Opposition vermutet dahinter Einschüchterungsversuche der Regierung.

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl haben zahlreiche Weißrussen per SMS Warnungen erhalten. Es werde gewaltsame Protesten am Wahlabend geben, stand darin. Die Nachricht «Provokateure planen Blutvergießen» ging an alle Kunden des größten weißrussischen Mobilfunknetzes. «Passt auf Euer Leben und Eure Gesundheit auf.»

Der Mobilfunkbetreiber verweigerte die Auskunft darüber, woher die Nachrichten stammten. Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch erklärte, sie seien Teil einer Einschüchterungskampagne. Präsident Alexander Lukaschenko hat der Opposition wiederholt vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz zu planen.

Erst am Freitagabend bekräftigte er in einer Fernsehansprache: «Ich garantiere, dass es in unserem Land keinen Sturz der Regierung geben wird. Es wird keine gewaltsame Besetzung von Institutionen oder Blockaden von Straßen und Plätzen geben.» Es sei alles dafür getan worden, «auch die kleinste Bedrohung für die Sicherheit des Volkes» zu verhindern.

Die Opposition hat zu Demonstrationen gegen das Wahlergebnis aufgerufen, falls Lukaschenko wie erwartet mit hohem Ergebnis gewinnt. Milinkewitsch mahnte seine Anhänger am Samstag aber erneut, ihren Protest friedlich zum Ausdruck zu bringen. «Wir werden mit Blumen kommen, wir werden friedlich auf die Straße gehen, ohne jede Gewalt», sagte der Kandidat, der von einem breiten Oppositionsbündnis unterstützt wird, vor mehreren hundert Anhängern in Minsk.

Zentraler Platz abgeriegelt
Falls der zentrale Oktjabrskaja-Platz von den Sicherheitskräften abgeriegelt werde, sollte niemand versuchen, dorthin vorzudringen, warnte Milinkewitsch. «Wir werden sie einfach umgehen und einen anderen Ort zum Reden finden», erklärte der 58-Jährige.

Die Behörden haben jegliche Versammlung am Wahltag untersagt und gedroht, Personen, die gegen das Ergebnis protestieren, als Terroristen zu verfolgen. Massenproteste haben in den vergangenen zwei Jahren in den früheren Sowjetrepubliken Georgien, Ukraine und Kirgisien die Opposition an die Regierung gebracht. Lukaschenko hat insbesondere Ausländer davor gewarnt, Unruhe zu stiften. «Gott bewahre, dass einer von ihnen versuchen sollte, etwas in unserem Land anzustellen. Wir werden ihm sofort den Kopf abreißen», sagte der Präsident am Freitag laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Belta. (nz)