06.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Iranische Polizisten löschen Feuer vor der österreichischen Botschaft
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei den Protesten gegen Mohammed-Karikaturen sind im Libanon, Afghanistan und Somalia Menschen ums Leben gekommen. In Teheran griffen Hunderte Demonstranten die österreichische Botschaft an. Thema: Mohammed-Satire Irans Atompolitik lässt Ölpreis steigen Hintergrund: Das islamische Bilderverbot Dänische Botschaft in Beirut angezündet Irak kündigt Handelsverträge mit Dänemark FDP-Politiker greift im Satire-Streit Türkei an Die Empörung ist nicht grundlos Merkel kritisiert Eskalation der Proteste
Bei Protesten in Teheran gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed ist die österreichische Botschaft angegriffen worden. TV-Sender melden unter Berufung auf Augenzeugen, rund 200 Demonstranten hätten Steine gegen das Gebäude geschleudert, Fensterscheiben eingeschlagen und Feuer entzündet. Außerdem verbrannten sie deutsche, dänische und österreichische Flaggen. Dutzende Sicherheitskräfte hätten die Demonstranten daran gehindert, in die Botschaft einzudringen. Österreich, das zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, bestellte den iranischen Botschafter ein und protestierte gegen die Angriffe.
Auch in Indonesien, Thailand, Indien und Afghanistan kam es zu Demonstrationen. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta zogen etwa 400 Mitglieder einer islamistischen Partei vor ein Gebäude, in dem die dänische Botschaft untergebracht ist und forderten eine Entschuldigung Dänemarks.
In Kandahar und Mihtarlam in Afghanistan gingen ebenfalls hunderte Menschen auf die Straße. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden in Mihtarlam laut BBC-Berichten drei Menschen getötet. Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, feuerte die Polizei auf die Demonstranten, nachdem ein Mann aus der Menge heraus auf die Beamten geschossen hatte.
In Bossaso in Somalia wurde ein 14-jähriger Jugendlicher getötet, als die Polizei eine protestierende Menge mit Schüssen in die Luft zerstreuen wollte. Mehr als 1000 muslimische Aktivisten verlangten in Bandung in West-Java ein Ende der diplomatischen Beziehungen Indonesiens zu Dänemark. Indonesien ist das nach der Bevölkerungszahl größte muslimische Land der Welt.
Proteste in ThailandVor der dänischen Vertretung im thailändischen Bangkok protestierten rund 500 Muslime. Dänemark sei «von jetzt an ein Feind der Muslime», sagte ein Sprecher. Thailand ist überwiegend buddhistisch geprägt. Nur der äußerste Süden des Königreichs ist mehrheitlich von Muslimen bewohnt.
Die libanesische Regierung entschuldigte sich bei Dänemark für den Brandanschlag auf die Botschaft in Beirut. Das Kabinett verurteile die Gewalt, sagte Informationsminister Ghasi Aridi. Mehrere tausend Demonstranten hatten die dänische Landesvertretung gestürmt und Feuer gelegt. Mindestens ein Mensch wurde getötet, 30 weitere erlitten Verletzungen. Innenminister Hassan Sabei bot am Sonntag seinen Rücktritt an. Die Regierung entschied darüber zunächst nicht.
Libanon untersuchtInformationsminister Aridi teilte weiter mit, es sei eine Untersuchung zu den Vorkommnissen eingesetzt worden. Der von Sabei angebotene Rücktritt sei «zur Kenntnis genommen worden». Vorübergehend habe Sportminister Ahmed Fatfat das Innenministerium übernommen.
Bei den gewalttätigen Protesten wurde nach Polizeiangaben ein Demonstrant getötet. Bei dem Toten handle es sich um einen der Männer, die am Sonntag das dänische Konsulat in Beirut gestürmt und in Brand gesetzt hatten, teilte die libanesische Polizei mit. Der Polizei war es trotz eines massiven Aufgebots nicht gelungen, die Demonstranten unter Kontrolle zu halten.
Im indischen Teil Kaschmirs legte ein Streik wegen der Karikaturen unterdessen das öffentliche Leben in der Stadt Srinagar lahm. Läden und mehrere Schulen blieben geschlossen. Muslimische Gruppen und islamistische Separatisten hatten zu dem Ausstand aufgerufen.
Ägyptische Zeitung will Karikaturen druckenDie unabhängige ägyptische Wochenzeitung «Al Fagr» kündigte an, einige der umstrittenen Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in der Ausgabe am Dienstag abdrucken zu wollen. Chefredakteur Adel Hamudah sagte, er habe die Karikaturen dem Internet entnommen und wolle sie nun drucken, um «die Verwerflichkeit der Karikaturen» zu unterstreichen. (nz)