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Mohammed-Satire: Annan fordert Kulturen zum Dialog auf: 

Annan fordert Kulturen zum Dialog auf

03. Feb 2006 07:14
Kofi Annan
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UN-Generalsekretär Annan hat sich betroffen über die Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen geäußert. Er rief dazu auf, den Streit friedlich zu lösen.

Thema: Mohammed-Satire
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich kritisch über die in Europa veröffentlichten Mohammed-Karikaturen geäußert. In einer Erklärung Annans hieß es am Donnerstag in New York, «die Freiheit der Presse sollte immer so ausgeübt werden, dass auch der religiöse Glauben und die Grundsätze aller Religionen voll respektiert werden.» Er sei «betroffen» angesichts der weltweiten Proteste gegen die Zeichnungen. Annan rief dazu auf, den Streit in «friedvollem Dialog und gegenseitigem Respekt» zu lösen.

Die Proteste erreichten mittlerweile Indonesien. Muslimische Demonstranten drangen am Freitag in die dänische Botschaft in Jakarta ein. Sie holten die dänische Flagge herunter und verbrannten sie, um gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung zu protestieren. Rund 70 Demonstranten bewarfen zudem das Botschaftsgebäude mit Eiern. «Wir sind keine Terroristen, wir sind keine Anarchisten, aber wir sind gegen Leute, die den Islam beleidigen», riefen die Demonstranten, die einer Partei angehören, die für die Einführung des islamischen Rechts im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt eintritt.

Vor dem Hintergrund sich verschärfender Proteste werden in Dänemark die Aufenthaltsgenehmigungen von Imamen (Geistlichen) der islamischen Gemeinden in Frage gestellt. Dies erklärten Sprecher der rechtsliberalen Partei von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen Rasmussens, seines konservativen Koalitionspartners und der rechtspopulistischen DVP am Donnerstag übereinstimmend. Nach ihrer Meinung hätten die Imame durch die Organisierung von Protesten gegen die Karikaturen des Propheten Mohammed in arabischen Ländern den Interessen Dänemarks massiv geschadet. Deshalb müsse man jetzt oder nach Ende der derzeitigen Protestwelle die Grundlage für die jeweiligen Aufenthaltsgenehmigungen überprüfen.

Neben der seit vergangener Woche erfolgten Abberufung von Botschaftern aus Saudi-Arabien, Kuwait, Libyen und Syrien und den massiven Straßenprotesten ist Dänemark auch von einem umfassenden Käuferboykott in der arabischen Welt betroffen.

In der Stadt Gaza drangen etwa 50 maskierte und mit Schnellfeuergewehren und Panzerfäusten bewaffnete Palästinenser in den Vorgarten des dortigen EU-Büros ein und feuerten Schüsse ab. Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, hat die Europäische Union ihre Vertretung im Gazastreifen wegen des sich verschärfenden Streits um die zuerst in Dänemark «Jyllands-Posten» veröffentlichten Karikaturen aber bereits geschlossen. Das Büro war deshalb nicht besetzt.

Norwegen schloss aus Sorge vor gewalttätigen Aktionen seine Vertretung in den Palästinensergebieten vorläufig für den Publikumsverkehr. Frankreich warnte vor Reisen in die Palästinensergebiete. Im Konflikt um die Veröffentlichung der Karikaturen suchten die Al-Aksa-Brigaden in Nablus im Westjordanland gezielt nach Ausländern. Männer aus den Reihen der bewaffneten Gruppe fragten in Hotels der Stadt nach, ob sich dort Bürger aus Dänemark, Norwegen oder Frankreich aufhielten, sagte der palästinensische Hotelbesitzer Awad Hamdan. Die Al-Aksa-Brigaden im Gazastreifen haben bereits mehrfach Ausländer verschleppt. Ein kurzzeitig entführter Deutscher kam wieder frei.

Zu Protesten mehrerer hundert muslimischer Demonstranten kam es auch in den pakistanischen Städten Multan und Lahore. In Multan steckten sie dänische und französische Flaggen in Brand. Weitere landesweite Proteste sind dort für heute geplant. In Syrien protestierten 300 Menschen vor der dänischen Botschaft.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak erklärte, Pressefreiheit dürfe nicht als Entschuldigung für die Beleidigung der Religion dienen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Karikaturen als «Angriff auf unsere geistig- moralischen Werte». Die Pressefreiheit müsse Grenzen haben, sagte Erdogan im Gespräch mit dem französischen Außenminister Philippe Douste-Blazy in Ankara, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

In Deutschland warnten Politiker und Journalistenverbände angesichts militanter muslimischer Proteste gegen die Karikaturen vor einer Einschränkung der Medienfreiheit. Nach der «Welt» veröffentlichte in Deutschland auch die Wochenzeitung «Die Zeit» am Donnerstag eine der Karikaturen. Auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «tageszeitung» bekannten sich zu einem Abdruck.

Kaum 24 Stunden nach der Entlassung des Direktors von «France Soir» wegen des Nachdrucks der Karikaturen legte dessen Interimsnachfolger das Amt nieder. Der gleichzeitig als Generaldirektor der Verlagsgruppe Presse Alliance ausscheidende Eric Fauveau war von dem ägyptischen Besitzer des Pariser Boulevardblattes, Raymond Lakah, übergangsweise für den entlassenen Jacques Lefranc eingesetzt worden. Die Entlassung sei «unpassend zu einem Zeitpunkt, an dem das Blatt (wegen finanzieller Probleme) im Rampenlicht steht», begründete Fauveau seinen Schritt am Donnerstag.

Wegen des Nachdrucks von drei der umstrittenen Mohammed- Karikaturen ist am Donnerstag in Jordanien der Herausgeber der Wochenzeitung «Shihan» entlassen worden. Wie der Besitzer der Zeitung, die Arab Printers Company, in Amman mitteilte, werde die neue Ausgabe des Blattes vom Markt genommen. Alle Verantwortlichen für diese «unverantwortliche und schockierend Aktion» würden bestraft werden.

Die österreichische Außenministerin und amtierende EU- Ratsvorsitzende, Ursula Plassnik, hat sich dafür ausgesprochen, Äußerungen und Handlungen, die eine Religion in beleidigender Weise herabwürdigen, «deutlich zu verurteilen». Plassnik vermied vor dem Ständigen Rat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) jedoch, den Streit um die Karikaturen zu nennen.

Auslöser des Streits um die Darstellung des Propheten Mohammed sind zwölf Karikaturen, die die dänische Tageszeitung «Jyllands- Posten» Ende September veröffentlicht hatte. Der Chefredakteur von «Jyllands-Posten», Carsten Juste, entschuldigte sich inzwischen für die Karikaturen. (nz)

 
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