02.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Mohammed-Karikaturen in französischer Zeitung
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Mohammed-Karikaturen, die zurzeit die islamische Welt in Aufruhr versetzen, sind nicht neu. Ausgelöst hat den Streit ein Kinderbuchautor - wenn auch unbeabsichtigt.
Im Sommer 2005 hatte der dänische Kinderbuchautor Kåre Bluitgen ein Problem. Er fand keinen Zeichner für sein neues Buchprojekt: Das Leben des Propheten Mohammed, erzählt und illustriert für Kinder. Denn Mohammed abzubilden, ist im Islam nicht erlaubt. Viele Zeichner sagten aus Angst vor islamischen Fundamentalisten ab.
Das wollte der Kulturchef der größten Tageszeitung Dänemarks, der «Jyllands Posten», so nicht stehen lassen. Er rief daher die bekanntesten Karikaturisten Dänemarks auf, den Propheten zu zeichnen. Von den 40 angefragten Illustratoren schickten zwölf ihre Karikaturen. Bereits Ende September wurden sie in der Zeitung veröffentlicht.
Die mittlerweile bekannteste Zeichnung zeigt Mohammed mit einer Bombe als Turban, andere bedienen Klischees vom Krummsäbel und vermummten Frauen. Wieder andere Zeichnungen sind weit harmloser. Eine zeigt einen kleinen Jungen vor einer Schultafel, mit dem Zeigestock auf arabische Schrift deutend: Mohammed, ein Siebtklässler einer dänischen Schule. Davon gibt es schließlich einige.
Erst auf Nachfragen begann die AufregungEine Woche lang, so berichtet die Wochenzeitung «Die Zeit», passierte gar nichts. Erst auf Nachfragen von Journalisten auch von der «Jyllands Posten» selbst - begannen Imame in Dänemark, sich aufzuregen. Einer von ihnen organisierte eine Demonstration und führte wenig später eine Delegation dänischer Muslime auf eine Reise durch islamische Länder, um sich über Dänemark zu beschweren.
Jetzt nutzten umgekehrt auch rechtsgerichtete dänische Parteien das Thema für fremdenfeindliche Angriffe. Die Situation eskalierte, die Arabische Liga rief zum Boykott dänischer Produkte auf.
Das mittlerweile publizierte Kinderbuch von Bluitgen, «Der Koran und das Leben von Prophet Mohammed», das eigentlich der Aufklärung dienen sollte, geriet in heftige Kritik durch Fundamentalisten. Eine pakistanische Partei setzte offenbar sogar ein Kopfgeld auf den erfolgreichen Kinderbuchautor aus. Wer der Zeichner der Illustrationen in dem Buch ist, wurde nicht bekannt gegeben. (nz)