netzeitung.deBei Propheten-Witzen hört der Spaß auf

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Protest gegen Mohammed-Karikaturen in Bagdad (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Protest gegen Mohammed-Karikaturen in Bagdad
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wenn es um den Propheten Mohammed geht, verstehen viele Muslime keinen Spaß mehr. Doch es nicht das im Islam geltende Bilderverbot, dass viele bei den umstrittenen Karikaturen empört.

Von Anne-Beatrice Clasmann

Was zuerst aussah wie ein Sturm im Wasserglas, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einer riesigen Welle der Empörung hochgeschaukelt. Staunend beobachten die an beißende Satire und Spott gewöhnten Menschen in der westlichen Welt, wie Muslime Boykottkampagnen und Protestmärsche organisieren, dänische Fahnen verbrennen und Strafverfolgung fordern, weil Zeichner in einer dänischen Zeitung den Propheten Mohammed als Objekt für eine Serie von Karikaturen ausgewählt haben.

Da beordern Regierungen ihre Botschafter zurück und fordert die Arabische Liga eine Garantie von der dänischen Regierung, «dass so etwas nicht noch einmal vorkommt». Gingen die Meinungen in der arabischen Welt bei der Debatte über das Kopftuchverbot in französischen Schulen noch weit auseinander, so findet man in der Region heute nur wenige Muslime, die sich über die Veröffentlichung dieser Bilder nicht erregen.

Bilderverbot im Islam
Fragt man Muslime, was sie konkret an den Karikaturen empört, so ist es meist nicht das im Islam geltende Bilderverbot, das es den Gläubigen verbietet, Gott oder den Propheten in menschlicher Gestalt darzustellen. Denn trotz des Verbots hatte es auch früher schon Muslime gegeben, die Mohammed in Filmen von Schauspielern darstellen ließen und Zeichnungen veröffentlichten, die ihn darstellen sollten.

Einzig im islamischen Königreich Saudi-Arabien, das ohnehin so bilderfeindlich ist, dass selbst in Freizeitparks keine gemalten Figuren mit Gesichtern zu finden sind, hält man die Tatsache, dass der Prophet überhaupt abgebildet wurde, schon für eine unerträgliche Form der Gotteslästerung.

Kritik an Klischees
Die meisten der aufgebrachten Kritiker der Karikaturisten in anderen islamischen Ländern sehen die Veröffentlichung der Zeichnungen jedoch im derzeitigen politischen Klima vielmehr als Ausdruck einer aus ihrer Sicht wachsenden islamfeindlichen Haltung im Westen. Dabei haben nicht alle, die jetzt nach Strafe rufen, die Zeichnungen überhaupt gesehen. Viele kennen den Inhalt nur vom Hörensagen.

Unter denjenigen, die die Karikaturen angeschaut haben, stößt deshalb vor allem die Abbildung, die Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt, auf Empörung. «Das ist doch wieder dieses Klischee, dass die Muslime generell Terroristen sind», ärgert sich eine ägyptische Journalistin.

«Die Ablehnung von Bildern des Propheten ist für mich eine Glaubensfrage, aber ich erwarte von anderen nicht, dass sie sich auch daran halten», erklärt Abdul Dschalil al-Scharnubi, der für den Internetauftritt der ägyptischen Muslimbruderschaft verantwortlich ist. Bei einer veralbernden Darstellung Mohammeds hören für ihn jedoch Spaß und Toleranz auf. Sich über den Propheten lustig zu machen, sei nicht akzeptabel, meint er, «so viel Respekt für den Anderen kann man erwarten».

Auch Magdi Ahmed Hussein, der Generalsekretär der inzwischen vom ägyptischen Staat aufgelösten islamistischen Arbeitspartei, hat weniger ein Problem mit der Tatsache, dass sich die Zeichner über das in Aussprüchen Mohammeds erwähnte Bilderverbot hinweggesetzt haben, sondern mit der Art und Weise der Darstellung.

Karikaturen gehören zum Alltag
Dabei gehören Karikaturen in vielen arabischen Ländern zum Alltag, und auch Witze, die mit dem Satz «Klopft ein Mann an die Tür zum Paradies...» beginnen, sind sehr beliebt. Die Zeichner der Zeitungen nehmen täglich Politiker aufs Korn. Seit seiner Festnahme durch die US-Truppen zählt beispielsweise der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein zu den beliebtesten Opfern der arabischen Karikaturisten, die ihn nun vorzugsweise mit zotteligem Bart zeichnen, so wie ihn die Amerikaner im Dezember 2003 erstmals nach der Ergreifung den Kameras präsentiert hatten.

Doch auch im politischen Bereich gibt es Tabus. So würden etwa die meisten arabischen Zeitungen aus Angst vor diplomatischen Verwicklungen keine respektlosen Karikaturen des saudiarabischen Königs oder eines anderen Golf-Monarchen veröffentlichen. (dpa)