Bei Propheten-Witzen hört der Spaß auf
01.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Was zuerst aussah wie ein Sturm im Wasserglas, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einer riesigen Welle der Empörung hochgeschaukelt. Staunend beobachten die an beißende Satire und Spott gewöhnten Menschen in der westlichen Welt, wie Muslime Boykottkampagnen und Protestmärsche organisieren, dänische Fahnen verbrennen und Strafverfolgung fordern, weil Zeichner in einer dänischen Zeitung den Propheten Mohammed als Objekt für eine Serie von Karikaturen ausgewählt haben.
Einzig im islamischen Königreich Saudi-Arabien, das ohnehin so bilderfeindlich ist, dass selbst in Freizeitparks keine gemalten Figuren mit Gesichtern zu finden sind, hält man die Tatsache, dass der Prophet überhaupt abgebildet wurde, schon für eine unerträgliche Form der Gotteslästerung.
Unter denjenigen, die die Karikaturen angeschaut haben, stößt deshalb vor allem die Abbildung, die Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt, auf Empörung. «Das ist doch wieder dieses Klischee, dass die Muslime generell Terroristen sind», ärgert sich eine ägyptische Journalistin.
«Die Ablehnung von Bildern des Propheten ist für mich eine Glaubensfrage, aber ich erwarte von anderen nicht, dass sie sich auch daran halten», erklärt Abdul Dschalil al-Scharnubi, der für den Internetauftritt der ägyptischen Muslimbruderschaft verantwortlich ist. Bei einer veralbernden Darstellung Mohammeds hören für ihn jedoch Spaß und Toleranz auf. Sich über den Propheten lustig zu machen, sei nicht akzeptabel, meint er, «so viel Respekt für den Anderen kann man erwarten».
Auch Magdi Ahmed Hussein, der Generalsekretär der inzwischen vom ägyptischen Staat aufgelösten islamistischen Arbeitspartei, hat weniger ein Problem mit der Tatsache, dass sich die Zeichner über das in Aussprüchen Mohammeds erwähnte Bilderverbot hinweggesetzt haben, sondern mit der Art und Weise der Darstellung.
Doch auch im politischen Bereich gibt es Tabus. So würden etwa die meisten arabischen Zeitungen aus Angst vor diplomatischen Verwicklungen keine respektlosen Karikaturen des saudiarabischen Königs oder eines anderen Golf-Monarchen veröffentlichen. (dpa)

