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Presseschau: «Vorsicht mit der Satire»

01. Feb 2006 13:03
Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung haben zu erheblichen Spannungen zwischen Muslimen und Kopenhagen geführt. Die Konflikt wird international in den Medien kommentiert.

Die Mohammed-Karikaturen in der rechtsliberalen dänischen Tageszeitung «Jyllands-Posten» (Århus) sind Thema in vielen internationalen Tageszeitungen. Ein Überblick.

«El País» (Madrid): Vorsicht mit der Satire!

Vorsicht mit der Satire! Die Mohammed-Karikaturen waren wahrscheinlich von schlechtem Geschmack und stellten eine Provokation dar, für die die dänische Wirtschaft einen hohen Preis zahlen muss. Aber sie dürfen zu keiner Einschränkung der Pressefreiheit führen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgeht. Wer an den Zeichnungen Anstoß nimmt, kann vor den Gerichten klagen. Diese sind die einzige Instanz, die solche Konflikte lösen kann.

Jeder soll mit dem religiösen Glauben des Anderen respektvoll umgehen. Leider macht sich in vielen Religionen Fanatismus breit. Dies gilt ganz besonders für den Islam. Einige mussten dies mit dem Leben bezahlen, wie der Niederländer Theo van Gogh.

«Information» (Kopenhagen): Respekt vor anderen Kulturen verloren

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat uns Dänen bei einem Besuch 1997 für unseren Humanismus und unsere Gastfreiheit gelobt. (...) Bei einer Konferenz in Katar letzte Woche bezeichnete er die Mohammed-Zeichnungen in Jyllands-Posten als beschämend und Dänemark als abschreckendes Beispiel. (...) Clinton legte den Finger genau in die Wunde (...). Es geht um Anstand und Respekt vor anderen Kulturen, die unser Land seit dem Besuch Clintons vor neun Jahren verloren hat. (...) Wenn wir uns Hoffnung darauf machen wollen, das Verlorene zurückzugewinnen, besteht der erste Schritt in der Erkenntnis unser eigenen Fehlentwicklung und einer aufrichtigen, vorbehaltlosen Entschuldigung an die Betroffenen.

«De Volkskrant» (Den Haag): Religiöser Despotismus

Eine unerfreuliche Auseinandersetzung hat eine unerfreuliche Wendung genommen. In einem offen Brief an die «sehr geehrten Bürger der muslimischen Welt» hat der Chefredakteur der dänischen Zeitung Jyllands-Posten doch noch seine Entschuldigung für die Karikaturen des Propheten Mohammed angeboten. (...) Diese Affäre kennt nur Verlierer. Die europäischen Partner (Dänemarks) boten nur kärgliche Unterstützung an. (UN-)Menschenrechtskommissarin Louise Arbour meinte sogar, der Organisation islamischer Länder eine Untersuchung über dänischen «Mangel an Respekt» vor dem Islam versprechen zu müssen. Ein trauriger Kniefall vor dem religiösen Despotismus.

«Jyllands-Posten» (Århus): Brand von arabischen Diplomaten und Imamen gelegt

«Jyllands-Posten» hat mit seinen Mohammed-Karikaturen am 30. September gläubige Muslime gekränkt. Wir haben von Beginn an bedauert, dass wir so eine Reihe von Menschen in ihrem Glauben verletzt haben. (...)

Jetzt kommen aus Diktaturstaaten in Nahost die Forderung nach Gesetzesänderungen in Dänemark, damit die Regierung bei den Medien eingreifen kann. Man ist versucht zu sagen, dass der Wahnsinn sich kaum weiter treiben lässt. Aber die Ereignisse der letzten Tage haben uns gelehrt, mit Prophezeiungen vorsichtig zu sein. Wenn die dänischen Imame und die hier arbeitenden (arabischen) Botschafter, die den Brand erzeugt haben, wirklich willens wären, diesen zu löschen, könnten sie das vermutlich schaffen. Es liegt an ihnen, diesen Willen zu zeigen. Die dänische Regierung und auch Jyllands-Posten haben die Hand ausgestreckt. Damit zwei Partner sich per Dialog einigen können, müssen beide den entsprechenden Willen haben.

«De Morgen» (Brüssel): Arabische Länder spielen gefährliches Spiel

Dänemark und die betroffene Zeitung scheinen alles zu tun, um den Konflikt abzukühlen. (...) Ohne Erfolg, denn die Außenminister der arabischen Staaten forderten gestern von Tunis aus, dass die Autoren der Spottzeichnungen streng bestraft werden müssten. Eine unredliche Forderung, denn jeder weiß, dass die dänische Regierung kein einziges rechtliches Mittel hat, um die Cartoonisten «streng zu bestrafen». Es sieht danach aus, als wollten die arabischen Länder den Konflikt mit Dänemark und in der Folge auch mit Europa auf die Spitze treiben. Ein gefährliches Spiel. (nz)

 
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