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Australien: «Ein hässlicherer, dunklerer Ort»

13. Dez 2005 15:46
Sydney: Jugendliche liefern sich Straßenschlacht mit der Polizei
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Nachfahren europäischer Einwanderer gehen auf arabisch-stämmige Neueinwanderer los, es folgen Straßenschlachten, verwüstete Läden, rassistische Parolen. Australien, das traditionelle Einwandererland erkennt sich selbst nicht wieder.

Von Frank Brandmaier und Sid Astbury

Erst geht eine angetrunkenen Meute auf Menschen wegen ihres fremdartigen Aussehens los, dann liefert sie sich eine regelrechte Schlacht mit der Polizei. Wenig später holen die Gejagten zum Gegenschlag aus: Am Dienstag hatten die Behörden in Sydney die zweite Krawallnacht in Folge mit verwüsteten Läden und zerstörten Autos hinter sich, diesmal ausgelöst von Jugendlichen mit arabischen Wurzeln.

Mehr in der Netzeitung:
  • Sydney: Einwanderer trotzen Übergriffen 13. Dez 2005 09:38, ergänzt 12:48
  • Australien, sonst stolzes Einwandererland, zeigt sich entsetzt und ratlos. «Australien hat sich plötzlich und unerklärlich in einen hässlicheren und dunkleren Ort verwandelt», beklagt die Zeitung «Sydney Morning Herald».

    Eigentlich entspannt und weltoffen

    Nichts hätte die Welt weniger vom Fünften Kontinent erwartet, als Szenen nackten Hasses und rassistische Parolen europäisch-stämmiger Australier, wie sie am Sonntag an der Cronulla-Beach zu sehen und zu hören waren. Als tolerant gelten der Inselkontinent und seine Bewohner doch sonst, als entspannt und weltoffen. Der Wirtschaft geht es seit langem blendend, die Arbeitslosigkeit ist dauerhaft niedrig, Unternehmen suchen mittlerweile weltweit Hände ringend Fachkräfte - auf den ersten Blick nicht eben der Boden, auf dem Fremdenhass und Hetzte gegen Minderheiten gedeihen. Das umso mehr, als ein Viertel der 20 Millionen Einwohner außerhalb des Landes geboren wurde.

    Australiens multikulturelles Konzept gilt unter den allermeisten Parteien als unumstritten: Jeder darf seine Sprache, Religion und Bräuche beibehalten, solange er das Gesetz achtet und sich als Australier fühlt. Für viele steht nach den Krawallen indes nicht das Konzept als solches in Frage, sondern, ob es richtig angewandt wird. «Die Gewalt vom vergangenen Wochenende ist kein Beweis für den Zusammenbruch des multikulturellen Konzepts, sondern eher ein Beweis für sein Nichtvorhandensein», urteilt Gerard Henderson, Leiter der unabhängigen australischen «Denkfabrik» Sydney Institute.

    Einige Lektionen

    «Es müssen einige Lektionen gelernt werden», mahnt die Zeitung «Daily Telegraph» - nämlich, dass die Australier den multikulturellen Charakter ihres Landes endlich anerkennen müssen. «Wie bei einem seit langem schlummernden Vulkan ist die Gewalt mit unerwarteter Wucht ausgebrochen, als ob es irgendein unterirdisches Reservoir von Hass gibt, das sich nicht mehr bändigen ließ.» Der Leiter des «Forums für die Beziehungen Australiens zum Islam», Kuranda Seyit, sah gar in den Krawallen vom Wochenende einen Beleg für einen «unterschwelligen Rassismus, der tief in der australischen Psyche sitzt».

    Doch glauben nur wenige Australier, dass die Geschehnisse der vergangenen Tage in Verhältnisse wie die Einwandererunruhen in den französischen Vorstädten münden könnten. Eher schon sei damit zu rechnen, ist zu hören, dass es immer wieder zu kleineren Krawallen kommen wird, die auf die Gegend um Cronulla-Beach beschränkt sein werden, bis wieder Ruhe einkehrt.

    Dass die australischen Jugendlichen arabischer Herkunft an der Lage nicht ganz unschuldig sein könnten, wird ihnen indes selbst aus den eigenen Reihen angelastet. Die libanesischstämmige Buchautorin Nadia Jamal fragt, «weshalb einige Männer mit australisch- libanesisch-muslimischem Hintergrund so aggressiv und gewaltbereit scheinen» und warum sie oft in schlecht bezahlten Jobs unterkämen. «Muslime müssen sich selbst fragen, warum so viele junge muslimische Männer - nicht aber muslimische Frauen - Probleme haben.» (dpa)

     
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