Australien: «Ein hässlicherer, dunklerer Ort»
13.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Erst geht eine angetrunkenen Meute auf Menschen wegen ihres fremdartigen Aussehens los, dann liefert sie sich eine regelrechte Schlacht mit der Polizei. Wenig später holen die Gejagten zum Gegenschlag aus: Am Dienstag hatten die Behörden in Sydney die zweite Krawallnacht in Folge mit verwüsteten Läden und zerstörten Autos hinter sich, diesmal ausgelöst von Jugendlichen mit arabischen Wurzeln.
Australiens multikulturelles Konzept gilt unter den allermeisten Parteien als unumstritten: Jeder darf seine Sprache, Religion und Bräuche beibehalten, solange er das Gesetz achtet und sich als Australier fühlt. Für viele steht nach den Krawallen indes nicht das Konzept als solches in Frage, sondern, ob es richtig angewandt wird. «Die Gewalt vom vergangenen Wochenende ist kein Beweis für den Zusammenbruch des multikulturellen Konzepts, sondern eher ein Beweis für sein Nichtvorhandensein», urteilt Gerard Henderson, Leiter der unabhängigen australischen «Denkfabrik» Sydney Institute.
Doch glauben nur wenige Australier, dass die Geschehnisse der vergangenen Tage in Verhältnisse wie die Einwandererunruhen in den französischen Vorstädten münden könnten. Eher schon sei damit zu rechnen, ist zu hören, dass es immer wieder zu kleineren Krawallen kommen wird, die auf die Gegend um Cronulla-Beach beschränkt sein werden, bis wieder Ruhe einkehrt.
Dass die australischen Jugendlichen arabischer Herkunft an der Lage nicht ganz unschuldig sein könnten, wird ihnen indes selbst aus den eigenen Reihen angelastet. Die libanesischstämmige Buchautorin Nadia Jamal fragt, «weshalb einige Männer mit australisch- libanesisch-muslimischem Hintergrund so aggressiv und gewaltbereit scheinen» und warum sie oft in schlecht bezahlten Jobs unterkämen. «Muslime müssen sich selbst fragen, warum so viele junge muslimische Männer - nicht aber muslimische Frauen - Probleme haben.» (dpa)

