Der Tag, an dem Khaled el Masri verschwand
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi. Khaled el Masri wird auf einer Urlaubsfahrt nach Mazedonien aus dem Reisebus geholt und verschleppt. Schwarz gekleidete Männer mit weißen Masken kommen vor, Fesseln, Betäubungsspritzen, Verhöre, Schlafentzug, Prügel und andere Foltermethoden. Der Bericht des 42- jährigen Deutsch-Libanesen klingt abenteuerlich, doch die Staatsanwaltschaft München I hält ihn für glaubwürdig. Sie ermittelt wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung. Und es mehren sich Hinweise, dass der US-Geheimdienst CIA dahinter steckt.
«Ich wurde mit Fäusten geschlagen, und mit etwas, was sich wie ein Stock anfühlte. Jemand schnitt mir die Kleider vom Leib, und als ich mich weigerte, meine Unterwäsche auszuziehen, wurde ich erneut geschlagen.» Dabei sei ihm eine Rückkehr nach Hause angekündigt worden. Tatsächlich aber wurde er - gefesselt und mit Augenbinde - in ein anderes Land geflogen. «Ich fühlte, dass es sehr warm war, und so wusste ich, dass ich nicht nach Deutschland zurückgebracht worden war.» Es sei Afghanistan gewesen.
Seine Bewacher hätten sich als Amerikaner zu erkennen gegeben. «Meine Bitten, einen Vertreter der deutschen Regierung oder einen Anwalt zu sehen oder vor ein Gericht gebracht zu werden, wurden ignoriert.» Sein Anwalt schrieb später an das Auswärtige Amt: «Ihm wurde lapidar von den Amerikanern mitgeteilt, er sei in einem Land, in welchem es keine Rechte für ihn gebe - was offensichtlich gerade der Anlass für eine Entführung dorthin war.»
Am 28. Mai 2004 sei er ausgeflogen und an einer Straße ausgesetzt worden. Er habe den Befehl befolgt, die Straße weiterzugehen, ohne sich umzusehen. «Ich dachte, ich würde in den Rücken geschossen und zum Sterben zurückgelassen.» Nach einer Wegbiegung traf El Masri bewaffnete Männer, die ihm sagten, er sei in Albanien. Sie brachten ihn zum Flughafen. «Eine Person hat ihn freundlich an allen Kontrollen vorbeigeschleust», berichtet sein Anwalt. Den Heimflug nach Frankfurt zahlte er selbst: Die 320 Euro dafür hätten seine Begleiter aus seiner Geldbörse genommen, die er mit seinem Pass wiederbekam.

