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Heftige Kritik an Vatikan-Erlass gegen Schwule

23. Nov 2005 16:22
Papst Benedikt XVI.
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Der Vatikan will Homosexuelle, die nicht keusch leben, künftig nicht mehr zur Priesterweihe zulassen. Gegen den Erlass formiert sich Widerstand - nicht nur bei den einschlägigen Verbänden.

Eine Woche vor ihrer offiziellen Veröffentlichung ist ein Erlass des Vatikans zum Umgang mit homosexuellen Priesteranwärtern an die Öffentlichkeit gelangt. Demnach sollen Männer mit «homosexuellen Tendenzen» künftig nur dann Priester werden dürfen, wenn sie mindestens drei Jahre enthaltsam waren und somit ihre Neigung «überwunden» haben.

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Einzelheiten des Erlasses stehen in einem Dokument des Heiligen Stuhls, das von der katholischen Nachrichtenagentur Adista vorab im Internet veröffentlicht wurde - wenige Tage vor der offiziellen Präsentation am kommenden Dienstag (29.11.). In dem Papier heißt es, die Kirche müsse vor der Zulassung zur Weihe sicherstellen, dass der Anwärter die für das Priesteramt notwendige «emotionale Reife» und «spirituelle Väterlichkeit» entwickelt habe.

Homosexuelle Tendenzen

Papst Benedikt XVI. hatte das Dokument, das von der Bildungskongregation ausgearbeitet worden ist, bereits am 31. August abgesegnet. Erstmals soll es damit eine verbindliche Regelung geben, wie mit homosexuellen Amtsanwärtern verfahren wird. Bislang wurden Priesteranwärter nicht auf ihre sexuellen Neigungen hin befragt oder überprüft.

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«Wenn es sich um homosexuelle Tendenzen handelt, die nur Ausdruck eines vorübergehenden Problems sind - wie beispielsweise eine noch nicht abgeschlossene Phase des Heranwachsens - dann müssen diese dennoch ganz klar mindestens drei Jahre vor der Priesterweihe überwunden sein», heißt es in dem Dokument. Die Geistlichen, die die Entscheidung über die Weihe eines Anwärters treffen, müssten «gewissenhaft versuchen, ihn von seinem Vorhaben abzubringen», wenn dieser «tief verwurzelte homosexuelle Neigungen» zeige.

Veranlagung

Das Papier wurde scharf kritisiert. «Man muss den Vatikan vor einer generellen Verdammung der Homosexuellen warnen», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, am Mittwoch in Berlin. «Wenn Homosexualität eine Veranlagung sein kann, wie der neue Katechismus sagt, kann die homosexuelle Veranlagung per se nicht für bestimmte Tätigkeiten disqualifizierend sein», sagte Beck. «Die katholische Kirche scheitert an der ethischen, moralischen und theologischen Bewertung der Homosexualität.»

Auch der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) äußerte Kritik. «Der Vatikan versucht, die Vielfältigkeit von Lebensformen zu unterdrücken. Er verlangt, dass homosexuelle Priester, anders als ihre heterosexuellen Brüder, ihre Identität aktiv verleugnen», sagte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Auch zölibatär lebende schwule Priester sollten sich dem Dokument zufolge eine heterosexuelle Persönlichkeit zulegen, monierte er.

Gerede aus dem Vatikan

Zudem würden an Schwule andere Maßstäbe angelegt, als an heterosexuelle Menschen: «Das bedeutet eine Verdammung von Homosexualität an sich. Damit entlarvt sich alles Gerede aus dem Vatikan, man sei gegen die Diskriminierung von Homosexuellen, als pure Scheinheiligkeit» erklärte Bruns weiter. Der neue Papst greife zu überalterten theologischen Konzepten.

Praktizierte Homosexualität gilt in der katholischen Kirche als «schwere moralische Verwirrung» und «Sünde». Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, dass es unter Priestern einen ungewöhnlich hohen Anteil an Homosexuellen gäbe. Mitunter heißt es, ein Viertel bis zu zu einem Drittel aller Priester sei schwul. Wahrscheinlich mit Blick auf die schweren Kindesmissbrauchs-Skandale durch pädophile Priester, die in den vergangenen Jahren die Kirche in den USA und anderen Ländern erschütterten, heißt es im Vorwort zu dem Papier, die Normen zur Homosexuellen-Frage seien wegen der «aktuellen Situation» notwendig geworden. (nz)

 
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