Wiesenthals bekannteste Fälle
20. Sep 2005 15:42
 |  Eichmann in israelischer Haft | Foto: dpa |
|
Mindestens 6000 NS-Verbrecher verfolgte der Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal. Etwa 1000 von ihnen konnten festgenommen werden - unter ihnen Adolf Eichmann und Klaus Barbie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Simon Wiesenthal in Los Angeles ein Dokumentationszentrum zu NS-Verbrechen. Er trug dazu bei, dass zahlreiche Nazis festgenommen werden konnten. Wiesenthals prominenteste Fälle:
Adolf Eichmann - Organisator der "Endlösung"
Adolf Eichmann war als Organisator der so genannten Endlösung der Judenfrage für die Deportation von mehr als drei Millionen Juden in die Vernichtungslager verantwortlich. Er entkam 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft und tauchte in Argentinien unter. Von israelischen Geheimagenten aufgespürt, wurde er nach Israel entführt, in einem aufsehenerregenden Verfahren zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1962 bei Tel Aviv hingerichtet.
Klaus Barbie - Gestapo-Chef von Lyon
Klaus Barbie wurde nach dem Krieg von deutschen und französischen Behörden wegen Gräueltaten gesucht, die er 1942 bis 1944 als Gestapo- Chef in Lyon beging. Ein Militärgericht in Lyon verurteilte ihn 1954 in Abwesenheit zum Tode. Aufgespürt wurde der unmittelbar nach dem Krieg zeitweise vom US-Geheimdienst zur Aufklärung kommunistischer Aktivitäten rekrutierte und 1951 verschwundene Barbie als bolivianischer Staatsbürger Klaus Altmann in La Paz. «Der Schlächter von Lyon» wurde 1983 nach Frankreich gebracht, wo er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und 1991 starb.
Martin Bormann - Vollstrecker der "Euthanasie"
Martin Bormann war einer der engsten Vertrauten Hitlers. Er galt als Vollstrecker von «Euthanasie» (systematische Tötung Behinderter) und NS-Rassenprogramm und blieb nach dem Kriege für Jahrzehnte verschollen. In Abwesenheit wurde er im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Erst Anfang der 70er Jahre gelang nach einem Skelettfund bei der Invalidenbrücke in Berlin der Nachweis, dass sich Bormann 1945 wahrscheinlich nach einem Fluchtversuch mit Zyankali umbrachte.
Josef Mengele - KZ-Arzt in Auschwitz
Josef Mengele war als KZ-Arzt in Auschwitz an der Selektion und Tötung arbeitsunfähiger Häftlinge und vielfach tödlichen Menschenversuchen beteiligt. Der «Todesengel» tauchte nach dem Krieg zunächst unter und entkam 1949 über Italien nach Argentinien und später nach Paraguay. Zuletzt soll er sich in Brasilien aufgehalten haben, wo er angeblich bei einem Badeunfall starb und unter dem Namen Wolfgang Gerhard beerdigt wurde. Eine Untersuchung der später exhumierten Leiche ergab, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Überreste Mengeles handelte. Wiesenthal nannte es den «größten Misserfolg seines Lebens», dass er Mengele nicht fangen konnte.
Franz Stangl - Kommandant von Treblinka
Franz Stangl, der Kommandant der Vernichtungslager Treblinka und Sobibor, konnte nach Internierung und Haft in Österreich im Mai 1948 fliehen und setzte sich über Italien nach Syrien ab. 1967 wurde er von Brasilien, wohin er 1951 ausgewandert war, an die Bundesrepublik ausgeliefert. Dort wurde er wegen des gemeinschaftlichen Mords an mindestens 400.000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt, er starb im Gefängnis.
Aribert Heim - Lagerarzt in Mauthausen
Der österreichische KZ-Arzt Aribert Heim soll als Lagerarzt im KZ Mauthausen bei Linz hunderte Häftlinge grausam ermordet haben. Heim, Jahrgang 1914, wird auch heute noch mit einem weltweiten Haftbefehl gesucht. Er wurde von Wiesenthal in die gleiche Verbrecherkategorie wie der KZ-Arzt Josef Mengele eingestuft und soll an Sadismus «nahezu alle KZ-Ärzte übertroffen» haben. (dpa)