Passagierflugzeug abgestürzt - Angehörige: «Ihr Mörder»: 

netzeitung.deUnglücksmaschine schon länger defekt

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Soldaten an der Absturzstelle (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Soldaten an der Absturzstelle
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Griechenland ist ein Flugzeug abgestürzt. Dabei starben 121 Menschen. Angehörige der Opfer gerieten mit den Vertretern der Fluglinie aneinander.

Nach dem Absturz einer Maschine der zyprischen Charterlinie Helios mit 121 Toten vor Athen ist es am Sonntagnachmittag zu Tumulten zwischen Verwandten und Vertretern der Luftfahrtgesellschaft gekommen. Zahlreiche aufgebrachte Angehörige der Opfer riefen den Helios-Vertretern am Flughafen von Larnaka Vorwürfe zu wie: «Mörder, Ihr habt eine defekte Maschine fliegen lassen.» Das berichtete das Fernsehen. Andere Verwandte versuchten nach zyprischen TV-Angaben, die Landebahn zu stürmen, um weitere Abflüge von Maschinen der Gesellschaft zu verhindern. Die zyprische Polizei griff ein.

Unterdessen setzten Rettungsmannschaften die Bergung der Leichen fort. Dabei seien nach Berichten des griechischen Fernsehens zahlreiche Leichen in einem vereisten Zustand gefunden worden. «Viele Leichen sehen so aus, als ob man sie in einem Tiefkühlschrank gestellt hätte», sagte ein Reporter am Unglücksort. Dies verstärkte die Vermutung, dass die Maschine vor dem Absturz Probleme mit der Klimaanlage und dem Luftdruck-Ausgleichssystem hatte.

Andere menschliche Überreste seien dagegen verkohlt und verstümmelt, hieß es. Beim Absturz hatte es Brände gegeben. Bis Sonntagabend waren rund 100 Leichen geborgen worden.

Sondermaschine für Angehörige
In einer eigens zu diesem Zweck eingerichteten Halle nahe Athen sollten Gerichtsmediziner und Verwandte die Leichen identifizieren. Verwandte der überwiegend aus Zypern stammenden Opfer wurden mit einer Sondermaschine nach Athen gebracht.

Der griechische Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos schloss einen Terrorakt aus. «Es gibt überhaupt keine Anzeichen dafür», sagte er nach einer Krisensitzung. Die Chartermaschine war in Larnaka gestartet, sollte in Athen zwischenlanden und dann nach Prag weiter fliegen.

Probleme mit der Klimaanlage
Nach übereinstimmenden Berichten griechischer und zyprischer Medien hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt Probleme mit der Klimaanlage und dem Luftdruck-Ausgleichssystem dieser Maschine gegeben. Reisende hatten der zyprischen Presse gesagt, dass im Oktober und Dezember vergangenen Jahres die Maschine, die jetzt auf dem Flug von Larnaka (Zypern) nach Athen abgestürzt ist, erhebliche Probleme gehabt habe. Dabei seien wegen Schwierigkeiten mit der Klimaanlage und wegen Sauerstoffmangels mehrere Passagiere bewusstlos gewesen.

Es gab zudem Berichte im griechischen Fernsehen, wonach Techniker von Helios angeblich gekündigt worden waren, weil sie sich weigerten, ein Flugtauglichkeitsdokument dieser Maschine zu unterschreiben. Eine Stellungnahme des Unternehmens dazu lag zunächst nicht vor.

Die Fluggesellschaft Helios-Airways wurde 1999 gegründet - als erste private Airline der Republik Zypern, wie es auf der Internetseite heißt. Ihre Flotte besteht nach eigenen Angaben aus insgesamt vier Maschinen. Darunter seien zwei Maschinen vom Typ Boeing 737-800, die im Mai 2001 geliefert wurden, sowie eine Boeing 737-300. (nz)