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Teuerstes Politiker-Treffen aller Zeiten

03. Jul 2005 09:50
Der G8-Gipfel soll politischer Höhepunkt Blairs werden
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Für Tony Blair ist der G8-Gipfel in Schottland etwas ganz besonderes. Er soll der Höhepunkt seiner achtjährigen Laufbahn werden. Doch die Probleme sind immens.

Von Christoph Driessen

Wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder am 6. Juli von Tornado-Kampfflugzeugen zu einem Aperitif mit der Queen eskortiert wird, dann mag ihm durch den Kopf gehen, dass es doch wirklich schade wäre, die Bundestagswahl zu verlieren. Bei keiner anderen Gelegenheit ist das Gefühl, zu den Großen der Welt zu gehören, so übermächtig wie bei einem G8-Gipfel. Das haben schon mehrere direkt Beteiligte nachher bestätigt. Und für diesen G8-Gipfel gilt das noch einmal in besonderer Weise, denn er wird das mit Abstand aufwändigste und teuerste Politikertreffen, das Großbritannien je erlebt hat.

  • Blair kündigt Herbstgipfel zur EU-Zukunft an 01. Jul 2005 16:58
  • Blair soll «nationale Rhetorik» aufgeben 01. Jul 2005 14:51
  • Blair sieht in EU-Krise Chance für Veränderung 23. Jun 2005 10:54, ergänzt 12:58
  • Geheimplan für G-8-Gipfel an Zeitung gesandt 19. Jun 2005 14:22
  • G8 einig über Schuldenerlass für ärmste Länder 11. Jun 2005 15:31, ergänzt 17:18
  • Der Kostenpunkt war eigentlich einer der wichtigsten Gründe dafür, die einsamen Höhen Schottlands als Schauplatz für den Gipfel zu wählen. Doch mittlerweile werden die Kosten auf umgerechnet 140 Millionen Euro geschätzt. Die «Times» hat ausgerechnet, dass man dafür fast 3000 Flaschen 62 Jahre alten Dalmore Highland Malt kaufen könnte, der teuersten Sorte schottischen Whiskys. Allein die 10.000 Polizisten, die das Luxushotel Gleneagles abschirmen sollen, kosten über 80 Millionen Euro.

    Höhepunkt für Blair

    Wenn man Tony Blair glaubt, ist natürlich jede schottische Auster, die bei dem dreitägigen Treffen verzehrt wird, ihren Preis wert. Für den britischen Premierminister ist der Gipfel einer der Höhepunkte seiner nunmehr achtjährigen Regierungszeit. Blair will zum Ende der laufenden Legislaturperiode abtreten und hofft, dann als Idealbild eines modernen Regierungschefs in die Geschichte einzugehen: flexibel, vorausschauend, human.

    Man soll sich an ihn erinnern als einen Politiker, der bei der Demokratisierung des Iraks mitgeholfen hat; der zur Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern beitrug; erfolgreich gegen Terroristen, Schurkenstaaten und die Verbreitung von Atomwaffen kämpfte; den Anstoß zur Entschuldung Afrikas gab und den amerikanischen Präsidenten von der Gefahr einer Klimakatastrophe überzeugte.

    Entschuldung ärmster Länder

    Blair hat nicht mehr allzuviel Zeit, um auf diesen Gebieten zum Ziel zu gelangen. Der Gipfel von Gleneagles soll das Ganze beschleunigen. Einen Teilerfolg hat er bereits erzielt: Die Finanzminister der G8-Staaten einigten sich in London auf eine Entschuldung der ärmsten Länder. Doch US-Präsident George Bush scheint zu meinen, dass er seinem britischen Freund damit genug entgegengekommen ist. Das zweite Hauptziel der ehrgeizigen Afrikapolitik Blairs - eine deutliche Erhöhung der Entwicklungshilfe - ist von dem Amerikaner mehrfach abgelehnt worden.

    Immerhin haben noch nicht alle die Hoffnung aufgegeben. Bob Geldof, der am Samstag eine Serie von Konzerten in Anlehnung an sein Live-Aid-Spektakel von 1985 organisiert, hat die Popstars angewiesen, sich jedes negative Wort über Bush zu verkneifen. «Wir wollen ihn überzeugen und nicht vergrätzen», schärft er ihnen ein.

    Gespött der Presse

    Ganz schlecht sieht es beim Klimaschutz aus. Hier haben die Briten ihre Erwartungen schon so sehr zurückgeschraubt, dass der Entwurf für die Abschlusserklärung zum Gespött der Presse geworden ist. Ursprünglich hatte Blair geplant, Bush mit den vereinten Kräften der Europäer unter Druck zu setzen. Doch abgesehen davon, dass sich Bush in der Vergangenheit für solchen Druck wenig empfänglich gezeigt hat, sind Blairs EU-Partner seit dem gescheiterten Gipfel von Brüssel nicht eben gut auf ihn zu sprechen. Das Festhalten am «Britenrabatt» hat Blair viele Sympathien gekostet. Besonders sein Verhältnis zu Bundeskanzler Schröder hat sich dramatisch verschlechtert.

    Zumindest kann Blair den Vertretern des Sozialstaats kontinentaler Prägung in Gleneagles am lebenden Objekt demonstrieren, warum sie sich seiner Meinung nach noch stärker an die Globalisierung anpassen müssen: Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao sitzt mit am Tisch. Der Aufstieg der Wirtschaftsmacht China ist für Blair eines der Hauptargumente für eine umfassende Reform der EU.

    Blair muss Scheu ablegen

    Als Nachteil könnte sich bei diesem Gipfel erweisen, dass Blair kein Mann der Konfrontation ist. Er ist ein begnadeter Redner, der überzeugen und Konsens herstellen will. Aber seine Unfähigkeit zum persönlichen Konflikt rechnet sein Biograf Anthony Seldon zu seinen größten Schwächen. Die Freundschaft mit Bush etwa habe ihm deshalb bisher kaum etwas eingebracht, weil er Hemmungen habe, sie auszunutzen. Diese Scheu wird er möglicherweise ablegen müssen, wenn er in Gleneagles am Ende mehr vorweisen will als schöne Worte.(dpa)

     
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