netzeitung.deReaktionen auf Nobelpreis an Jelinek: «Sie hat es verdient»

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Politiker und Kulturschaffende haben Elfriede Jelinek zum Nobelpreis gratuliert. Literaturkritiker Reich-Ranicki würdigte ihre «große Unabhängigkeit und ihre Radikalität».

Vertreter aus Kultur und Politik haben die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Elfriede Jelinek begrüßt. «Sie hat es verdient», war die erste Reaktion des Rowohlt-Verlegers Alexander Fest.

Jelinek sei eine Autorin «von einer unerhörten Eigenart mit großem Mut und großer Schonungslosigkeit gegenüber ihren Themen und sich selbst», sagte Fest auf der Frankfurter Buchmesse. Zudem sei sie ein sehr politischer Mensch. Persönlich habe er ihr noch nicht gratulieren können, sagte Fest, der Jelineks Bücher verlegt. Ihr Telefon sei die ganze Zeit besetzt gewesen.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nannte die Entscheidung der Königlichen Akademie in Stockholm «höchst erfreulich». Nach Nelly Sachs (1966) habe zum zweiten Mal eine deutschsprachige Frau diese Auszeichnung bekommen. Er lobte Jelinek für ihren «außerordentlichen Mut, ihre große Unabhängigkeit und ihre Radikalität». Über ihre «künstlerische Leistung» könne man allerdings streiten.

Weiss: «Gnadenlose Zumutung»
Begeistert äußerte sich Kulturstaatsministerin Christina Weiss. Jelineks Werke seien «ein Sprachereignis, eine andauernde Herausforderung und eine gnadenlose Zumutung - im wahrhaftigsten Sinne.» Die Texte «führen uns an die Grenzen der Sprache und an die Grenzen unserer Wahrnehmung».

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer gratulierte der Schrifstellerin «sehr herzlich» zu dem Preis. Er sprach von einem «außergewöhnlichen bisherigen literarischen Lebenswerk», das die höchste literarische Auszeichnung erhalten habe. Kunststaatssekretär Franz Morak übermittelte Glückwünsche von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der sich auf einer Asienreise befindet. «Mit ihren Sprachkunstwerken hält Jelinek Österreich einen Spiegel vor, in den man vielleicht nicht allzu gerne blickt, der aber für unser gesellschaftliches und politisches Leben unverzichtbar geworden ist», so Morak.

«Kritisches Beleuchten» von Österreich
Jelinek habe Österreich kritisch beleuchtet, merkte Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen an. «Der Nobelpreis geht daher ganz gewiss nicht an ein Land, sondern an eine im besten Sinne unabhängige Schriftstellerin.»

«Ich bin total überrascht, und ich freue mich unglaublich», zitiert «Der Standard» den österreichischen Autor Robert Schindel. Jelinek sei eine «glänzende, großartige Schrifstellerin». Die Ehrung komme «sicher auch dem regierungskritischen Lager» zu Gute. Die FPÖ allerdings «wird sich nicht beeindrucken lassen, weil sie sich von Literatur nie beeindrucken lässt».
(nz)