netzeitung.deViele Tote und Verletzte bei Geiseldrama

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Ein verletzter Junge wird geborgen (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein verletzter Junge wird geborgen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei der Erstürmung der besetzten Schule im südrussischen Beslan sind nach neuesten Angaben über 200 Geiseln ums Leben gekommen. Etwa 650 Menschen wurden verletzt. Mehrere Geiselnehmer sind auf der Flucht. Thema: Geiselnahme in russischer Schule Geiseln verlassen Schule in Südrussland Russische Einheiten stürmen besetzte Schule in Beslan Fischer verurteilt Geiselnahme in Beslan Dach der Schule in Beslan eingestürzt Ausbruchsversuch aus besetzter Schule in Südrussland

Bei der Geiselnahme und der Erstürmung der Schule im südrussischen Beslan sind viele der Geiseln getötet worden. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete in der Nacht zum Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium, dass es mehr als 200 Opfer gegeben habe. Zuvor hatte einen Mitarbeiter des Kremls zitiert, der davon ausging, dass die Zahl der Opfer möglicherweise bei deutlich über 150 liege.

Der Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Aslambek Aslachanow, bestätigte Zeugenaussagen, nach denen etwa 1200 Geiseln in der Schule waren. Der Präsident von Nord-Ossetien, Alexander Dsasoschow, teilte am Abend mit, 400 Geiseln seien gerettet worden. Er hoffe, so Dsasoschow, dass von den Verletzten viele gerettet werden könnten.

Viele Verletzte
Die Zahl der Verletzten ist womöglich höher als bisher angenommen. Krankenhausmitarbeiter sagten laut der Agentur Itar-Tass, es seien 646 Menschen eingeliefert worden, darunter 227 Kinder. Dagegen sagte ein Sprecher der Regierung am Freitagabend, man gehe momentan von 409 Verletzten aus, darunter 219 Kinder. Viele von ihnen seien in kritischem Zustand.

Unklar war der Verbleib vieler Väter. Augenzeugen berichteten, die Geiselnehmer hätten sie von Müttern und Kindern getrennt. Während der Besetzung sollen bis zu 20 Männer erschossen worden sein.

Laut Interfax kamen die meisten Menschen ums Leben, als die Entführer das Dach der Turnhalle sprengten. Sie seien von den Trümmern erschlagen worden. Nach Aussage eines Zeugen sprengte sich zudem ein Terrorist in der Halle selber in die Luft.

Etwa 95 Tote seien inzwischen identifiziert worden, gab der Chef des regionalen russischen Sicherheitsdienstes bekannt.

Drei Geiselnehmer festgenommen
Drei Geiselnehmer, die sich nach der Erstürmung in den Keller der Schule geflüchtet hatten, sind laut einem Bericht des Fernsehsenders Channel One am Abend festgenommen worden. Sie hätten versucht, mit Zivilkleidern getarnt das Gelände zu verlassen.

Derzeit gibt es widersprüchliche Meldungen, ob das Geiseldrama völlig beendet ist. Reportern berichten, seit einiger Zeit seien von der Schule keine Kämpfe mehr zu hören. Das russische Militär erklärte am Abend, der Einsatz zur Vernichtung der Terroristen sei beendet. Alle Terroristen seien tot oder gefangen genommen worden.

Interfax jedoch meldet, vier Geiselnehmer seien noch auf der Flucht. Ein ARD-Reporter berichtete von neuen Explosionen auf dem Gelände der Schule gegen 20 Uhr 40. Laut der Nachrichtenagentur AP waren auch zwei Stunden später noch sporadisch Gewehrschüsse und Detonationen zu vernehmen.

Von den vermutlich rund 40 Geiselnehmern sind nach offiziellen Angaben 20 bei der Erstürmung getötet worden. Bei zehn von ihnen handele es sich nach Angaben eines Kreml-Mitarbeiters um arabische Söldner. Präsident Putin hatte in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass es eine Verbindung zwischen tschetschenischen Rebellen und Terroristen des Al-Qaeda-Netzwerks gebe.

Hergang unklar
Spekulationen gab es am Freitagabend darüber, wie es zu der Katastrophe kam. Verschiedene Augenzeugen berichten, russische Einsatzkräfte seien nach Absprache mit den Geiselnehmern in den Hof der Schule gefahren, um Leichen abzutransportieren. Dabei hätten mehrere Geiseln versucht zu fliehen.

Als die Geiselnehmer auf diese schossen, erwiderten die Einsatzkräfte das Feuer. Während des Schusswechsels wurde das Dach der Turnhalle gesprengt, woraufhin sich offenbar die Einsatzleitung spontan zur Stürmung entschloss. Der Zugriff der russischen Kräfte sei nicht geplant gewesen, hieß es. «Diese Variante war in unseren Planungen keine Option, da in der Schule so viele Kinder waren», sagte ein Mitarbeiter des Krisenstabs.

Geiselnehmer geflohen
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax teilten sich die Geiselnehmer nach der Erstürmung des Gebäudes in drei Gruppen auf. Eine floh in die Stadt, eine blieb in der Schule und eine versuchte, sich unter den Befreiten zu verstecken.

Die Geiselnehmer, denen die Flucht gelang sollen noch Geiseln bei sich haben. Ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB sagte vor Journalisten, in der Stadt werde immer noch mit einigen der geflohenen Entführer gekämpft. (nz)