IAEA geht Hinweisen auf internationalen Atomwaffen-Schwarzmarkt nach
06.02.2004
Herausgeber: netzeitung.de
«Wir müssen wissen, wer was an wen weitergab», sagte El Baradei. Ermittler gingen derzeit Hinweisen in Japan, Malaysia, Deutschland und zwei weiteren europäischen Ländern nach, die El Baradei nicht nennen wollte. Khan hatte gestanden, Blaupausen für die Produktion von Atomwaffen an Nordkorea, Libyen und Iran weitergegeben zu haben.
Ermittler der IAEA gehen laut El Baradei Hinweisen auf ein gescheitertes Geschäft Khans mit Irak nach. Unmittelbar vor dem Golfkrieg 1991 habe ein Verbindungsmann Khans der irakischen Regierung Bombenbaupläne und eine Anlage zur Anreicherung von Uran angeboten und dafür fünf Millionen Dollar gefordert. Die Iraker hielten das Angebot nach bisherigen Erkenntnissen der IAEA für betrügerisch und gingen nicht darauf ein.
Dass es tatsächlich in Malaysia eine Firma gibt, die Gerätschaften zur Urananreicherung für das illegale Netzwerk mit Repräsentanten in fünf Staaten herstellt, deutet nach Ansicht der IAEA darauf hin, dass das Angebot an Irak wahrscheinlich kein Betrug war, und dass es weitere solche Händel über die bekannten hinaus gegeben haben kann.
Die Firma, die Tochtergesellschaft einer Gruppe ist, an der ein Sohn des malaysischen Premierministers Badawi den Hauptanteil hält, hat zugegeben, 2002 und 2003 Teile im Wert von 3,4 Millionen Dollar an eine Firma in Dubai geliefert zu haben. Endabnehmer war nach Erkenntnissen der IAEA Libyen. Das libysche Atomprogramm befindet sich mittlerweile unter internationaler Aufsicht in Abwicklung, was zur Entdeckung des Schwarzhandels beitrug.
Das System der Produktions- und Handelskontrolle für atomwaffentaugliche Komponenten sei «kaputt», sagte El Baradei. Es müsse dringend reformiert werden. (nz)

