IAEA glaubt an weltweiten Atomschmuggel-Ring
05.02.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Der pakistanische Atomwissenschaftler Khan ist nicht der einzige, der Atomwaffen-Wissen geschmuggelt hat, glaubt die Internationale Atomenergiebehörde.
Nach Ansicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat Pakistan noch an viele weitere Länder Informationen über sein Atomforschungsprogramm weitergegeben. Die bisher bekannt gewordenen Fakten seien nur «die Spitze des Eisbergs», sagte IAEA-Direktor Mohamed El Baradei am Donnerstag in Wien.
Abdul Qadeer Khan, der Leiter des pakistanischen Atomprogramms, hatte zugegeben, sein Wissen an Iran, Nordkorea und Libyen weitergegeben zu haben. Baradei sagte, Khan habe jedoch nicht allein gearbeitet und mit weitaus mehr Ländern Kontakt gehabt.
Internationaler SupermarktDer IAEA-Chef sprach von einem «Supermarkt» des internationalen Atomschmuggels. An diesem Schmuggel seien Einzelpersonen aus mindestens fünf Ländern beteiligt. «Wir überprüfen, wer das Material neben Libyen und Iran noch erhalten hat.» Khan sei «ein wichtiger Teil des Vorgangs», aber sein Fall werfe «mehr Fragen als Antworten» auf.
In Pakistan wurden fünf Mitarbeiter von Khan festgenommen, er selbst inzwischen vom Staatschef begnadigt. Khan hat den Behörden seine volle Kooperation zugesagt. «Hoffentlich bekommen wir so viele Informationen, wie wir brauchen», sagte Baradei. Es gibt Berichte, dass das pakistanische Militär an dem Schmuggel beteiligt sein soll.
Vor allem sei wichtig, so Baradei, dass Ausfuhrkontrollen installiert werden. «Wir brauchen ein umfassendes Kontrollsystem für Exporte», forderte er. «Wir müssen sicherstellen, dass sich das nicht wiederholt.» (nz)