netzeitung.deErbauer der pakistanischen Atombombe verkaufte Geheimnisse an Iran und Libyen

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Abdul Qadeer Khan (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Abdul Qadeer Khan
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die pakistanische Regierung überlegt, was sie mit ihrem Volkshelden tun soll. Er hat nukleare Geheimnisse verraten - auf eigene Verantwortung und Rechnung, wie betont wird.

Vor einigen Tagen hat das pakistanische Außenministerium zugegeben, dass drei der mit Atomwaffenforschung befassten Wissenschaftler des Landes Informationen an Iran verkauft haben. Der Chefentwickler des Atomwaffenprogramms ist laut am Freitag veröffentlichten ersten Ermittlungsergebnissen persönlich in den nuklearen Schwarzhandel verwickelt.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen in Pakistan erfahren haben will, gilt Abdul Qadeer Khan den Behörden als Hauptverdächtiger. In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren soll er sein Wissen an Libyen und Iran weitergegeben haben.

«Es gibt hinreichende Beweise für Verbindungen zwischen einer Handvoll Personen in Pakistan und der internationalen Schwarzmarkt-Mafia, die mit Nukleartechnologie handelt», sagte ein ungenannter Regierungsvertreter. Khan sei die «vorderste Figur in diesem dunklen Geschäft».

Vom Volksheld zum Verbrecher
Noch vor wenigen Tagen hatte man dies im Außenministerium bestritten und erklärt, Khan stehe nicht unter Verdacht und werde lediglich befragt, nicht verhört. Festgenommen wurde er ebenfalls nicht.

Die Regierung hat ein PR-Problem, ist Khan doch «der Vater» der pakistanischen Atombombe. Für die Bevölkerung ist er ein Held, hat er dem Land doch die Macht gegeben, dem jahrzehntelangen und bis dahin übermächtigen Gegner Indien die Stirn zu bieten. Laut AFP gibt es daher in der Regierung Streit darüber, wie man mit ihm umgehen soll.

Der Anstoß zu den Ermittlungen war von außen gekommen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte im November Pakistan darüber informiert, dass einige Wissenschaftler streng gehütete Informationen verkaufen.

Khan hat nicht zum ersten Mal Informationen über Nuklearanlagen auf seltsame Art behandelt. Ein niederländisches Gericht hatte ihn 1983 wegen Diebstahls der Konstruktionsunterlagen einer europäischen Urananreicherungs-Anlage verurteilt. Lediglich Aufgrund eines Verfahrensfehlers war das Urteil revidiert worden.

Schadensbegrenzung
Die nun vor allem an Iran verkauften Informationen sollen auch in andere Länder gelangt sein, unter anderem Libyen und Nordkorea.

Das pakistanische Außenministerium bemüht sich um Schadensbegrenzung um dem Eindruck entgegen zu wirken, die nukleare Hilfe sei staatlich sanktioniert gewesen. Man habe dies nicht genehmigt oder angeregt, und man sei sich seiner Verantwortung bewusst würde sensible Informationen auf keinen Fall weitergeben, so das Außenministerium.

Man habe niemals nukleares Wissen exportiert, sagte auch Präsident Pervez Musharraf in einem Interview mit CNN. «Wir werden gegen jeden Gesetzesverletzer vorgehen, da er ein Feind des Staates ist», so Musharraf. In wenigen Wochen bereits werde man die Untersuchung dazu beendet haben.